ITA-Seminar, 6. Dezember 2016, 16:00 Uhr: Marion JAROS (WUA)

Was sind aus Sicht von ÖkoKauf Wien nachhaltige, technische Innovationen und wie kann man das vergleichend bewerten?

Die öffentliche Beschaffung kann auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft eine wesentliche Rolle einnehmen. In Österreich – wie in vielen anderen Staaten – machen die Auftragsvergaben der öffentlichen Hand über 15 % des BIP aus. Werden jeweils die ökologischsten Produkte und Leistungen am Markt beschafft oder sogar im Rahmen einer innovativen und innovationsfreundlichen Beschaffung die Entwicklung von ökologischen Innovationen konkret gefördert, so kann – über eine reine Vorbildwirkung hinaus – ein gewisser Lenkungseffekt für die gesamte Wirtschaft erzielt werden.

Das ökologische Beschaffungsprogramm der Stadt Wien als Beispiel

Die Stadt Wien gibt jährlich über fünf Milliarden Euro für Produkte und Leistungen aus. Damit besitzt die Stadt eine große und nicht nur lokale Marktmacht. 1998 wurde das Programm "ÖkoKauf Wien" zur Ökologisierung des Wiener Beschaffungswesens ins Leben gerufen. Ein zentrales Steuerungs-Instrument dazu sind die von "ÖkoKauf Wien" ausgearbeiteten Öko-Kriterienkataloge. Sie listen auf, welche ökologischen, gesundheitsrelevanten und sozialen Anforderungen an die zu beschaffenden Produkte und Leistungen gestellt werden können, ohne die Gebrauchstauglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität negativ zu beeinflussen. Diese Kriterienkataloge sind per Erlass für die Dienststellen der Stadt Wien verbindlich.

"ÖkoKauf Wien" gilt als Leuchtturmprojekt innerhalb der EU und hat bereits mehrere internationale Preise gewonnen. Eine 2014 erstellte Wirkungsanalyse listet u.a. die in 15 Jahren erreichten Einsparungen an Energie, Treibhausgasen, giftigen Chemikalien und Kosten auf (1). Insgesamt arbeiten rund 200 Mitarbeiter/innen innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung an dem Programm mit. Sie sind in themenspezifischen Arbeitsgruppen organisiert. Dabei wird versucht, in einer Phase noch unzureichender rechtlicher Regelungen und fehlender, standardisierter Untersuchungsmethoden dem Vorsorgeprinzip im Rahmen der öffentlichen Beschaffung Rechnung zu tragen.

Vorgestellt wird insbesondere, welche Bewertungskriterien die von DI Marion Jaros geleiteten Arbeitsgruppen "Desinfektion" und "Nanotechnologien" erarbeitet haben und wie sie kommuniziert werden (z.B. über die Desinfektionsmittel-Datenbank WIDES). Schulungen in Wien, Österreich, in ganz Europa und den USA, sowie Webinars für WHO und UNO-MitarbeiterInnen zeigen das breite, internationale Interesse an dem erarbeiteten Bewertungstool. Auch die in der Stadt Wien erzielten Reduktionen an Stoffen mit besonders gefährlichen Eigenschaften werden vorgestellt.

(1): Wirkungsanalyse der ökologischen Beschaffung in der Stadt Wien, 30. April 2014.

 

DI Marion JAROS ist Referentin für technischen Umweltschutz in der Wiener Umweltanwaltschaft. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind die Bewertung von Chemikalien hinsichtlich der Auswirkung auf Umwelt und Gesundheit, Nanotechnologien, Nachhaltige Entwicklung, Klimawandelanpassung und Umweltpädagogik. Frau Jaros leitet darüber hinaus die Arbeitsgruppen "Desinfektion" und "Nanotechnologien" im Rahmen des ökologischen Beschaffungsprogramms ÖkoKauf Wien.