ITA-Seminar, 15.11.2016, 16:00 Uhr: Ingrid KIEFER (AGES)

Risikokommunikation: Herausforderungen im Spannungsfeld der Risikowahrnehmung und im Umgang mit Wissen


Risikokommunikation ist der Austausch von Informationen und Meinungen über Risiken zur Risikovermeidung,- miniminierung und -akzeptanz unter Berücksichtigung der Risikowahrnehmung. Die Risikobewertung eines Individuums hängt von der subjektiven Wahrnehmung ab und das subjektiv eingeschätzte Risiko ist unabhängig von der messbaren Eintrittswahrscheinlichkeit. Eine Risiko-Nutzen-Analyse, die Betroffenheit, die Vertrautheit eines Risikos, aber auch die Kontrollierbarkeit, sind neben der Art und des Ausmaßes des Schadens und dem Zeitpunkt des Schadenseintrittes wesentliche Faktoren des subjektiven Risikos. Je nach Risikosituation und -kontext bestehen unterschiedlich ausgeprägte Diskrepanzen zwischen einerseits der gesellschaftlichen, der individuellen und der Risikowahrnehmung durch ExpertInnen. Es sind nicht immer die Themen, die aus wissenschaftlicher Sicht auch tatsächlich ein Risiko darstellen, die die Bevölkerung beunruhigen beziehungsweise besorgen.

Hauptaufgabe der Risikokommunikation ist es für Themen, die die Bevölkerung besorgen (wie GVO, Pestizide, Rückstände von Arzneimittel und Hormone, Zusatzstoffe, toxische Elemente, neue Technologien), die jedoch von den ExpertInnen als geringes Risiko eingestuft werden, Vertrauen zu schaffen und für Themen, die ExpertInnen im Gegensatz zu den VerbraucherInnen als risikoreich einschätzen (pathogene Mikroorganismen, Über- und Fehlernährung, Mykotoxine), Bewusstsein schaffen. Die größten Herausforderungen sind neben der unterschiedlichen, subjektiven und intuitiven Dimension der Risikowahrnehmung der Umgang mit Wissen und Nicht-Wissen und dem Misstrauen gegenüber Informationen.

Nachdem die Bewertung und Einordung von Informationen aber nicht nur von der vermittelten Wahrscheinlichkeit und messbaren Folgen abhängt, sondern auch von der Gestaltung der Informationen, ist die Vermittlung von Gefahren und Risiken inklusive Framing, Risikodarstellung und Verständlichkeit von besonderer Bedeutung, um mögliche Kommunikationsprobleme wie beispielsweise skandalisierende oder stigmatisierende Beiträge, Praxisferne, irreführende Darstellung oder auch die Überforderung der Zielgruppe zu verhindern. Neben der Verständlichkeit sind Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Konsistenz, Offenheit und Transparenz die Grundlage einer professionellen Risikokommunikation um das Vertrauen bei den Adressanten zu erhöhen um ihre Handlungsfähigkeit und ihre Entscheidungen zu erleichtern um so den Weg vom Wissen zum Handeln zu unterstützen.

Die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ist die führende ExpertInnenorganisation zur Risikominimierung in den Gebieten Gesundheit, Ernährungssicherheit , Ernährungssicherung und VerbraucherInnenschutz. Aus dem Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetzes § 8 (3) Ziffer 5 und 6 ergibt sich ein gesetzlicher Auftrag zur Informationstätigkeit. Dies umfasst unter anderem die Durchführung von Risikokommunikation und Krisenkommunikation im Auftrag Eigentümer und die objektive Informationsvermittlung über identifizierte Risiken und Gefahren.

 

Univ.-Doz. Dr. Ingrid KIEFER ist Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der AGES.