ITA-Seminar, 1. Oktober 2019, 13:30 Uhr, Prof. Christian Göbel (Universität Wien, Institut für Sinologie)

Chinas Sozialkreditsystem: der steinige Weg zum digitalen Überwachungsstaat

Medienberichte über Chinas Sozialkreditsystem zeichnen gerne das Bild einer düsteren Dystopie, in der sämtliche Handlungen von Chinas Bürgern elektronisch aufgezeichnet und mittels künstlicher Intelligenz in einer Punktzahl verdichtet werden, die über das Wohl und Wehe eines jeden Individuums entscheiden. Obwohl ein derartiges System von der chinesische Regierung - und vielen Bürgern - durchaus gewünscht wird, sehen sich die Architekten eines totalen digitalen Überwachungsstaats mit vielen Hindernissen konfrontiert. Diese sind einerseits technischer, andererseits politischer Natur. In technischer Hinsicht werden die Möglichkeiten von "Künstlicher Intelligenz" oft überschätzt - die Klassifizierung und Modellierung von Daten aus vielen und sehr heterogenen Quellen stellt nicht nur für chinesische Wissenschaftler eine zur Zeit unüberwindbare Herausforderung dar. In politischer Hinsicht stößt die Notwendigkeit der Zusammenführung und Vereinheitlichung von Daten an die Grenzen einer fragmentierten und konkurrierenden Bürokratie.

Christian Göbel ist Universitätsprofessor für Sinologie mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Universität Wien.

Beginn: 13:30 Uhr
Um Anmeldung an tamail [@] oeaw.ac.at wird gebeten – danke!