ITA-Seminar, Anja BAUER (ITA/ÖAW, Wien), 12.01.2016, 16:00 Uhr

Gut beratene Politik? Zur Konzeption und Praxis effektiver Wissenschafts-Politik-Interaktionen

Die zunehmende Bedeutung wissenschaftlicher Expertise für politische Entscheidungen, sei es über den Klimawandel, technologische Neuerungen, Gesundheitsfragen oder in ökonomischen Belangen, spiegelt sich in einer wachsenden Anzahl und Vielfalt wissenschaftlicher Politikberatungsinstitutionen auf nationaler und internationaler Ebene wider. Eine zentrale Frage für die sozialwissenschaftliche als auch die praktische Beschäftigung mit Politikberatung betrifft die produktive Verknüpfung von Wissen(schaft) und Politik. Der Vortrag startet von der Annahme, dass die Art wie das Zusammenspiel von Wissen und Politik verstanden und interpretiert wird Einfluss hat auf das Repertoire von Beratungsformaten, die vorgeschlagen, implementiert und letztlich als effektiv wahrgenommen werden. Oftmals basieren Beratungsinstitutionen und  -prozesse auf der Annahme eines linearen Modells der Politikberatung, in dem wissenschaftliche Expertise neutral und objektiv ist und zu einer Rationalisierung des Politikprozesses führen kann. Zunehmend entstehen jedoch neue Beratungsformate, die den interaktiven, reflexiven und diskursiven Charakter wissenschaftlicher Politikberatung in den Vordergrund stellen.

Der Vortrag diskutiert verschiedene Formate wissenschaftlicher Politikberatung mit Fokus auf die zugrunde liegenden Annahmen und Modelle. Anhand konkreter Beispiele wissenschaftlicher Beratungsinstitutionen und –prozesse in der Klima- und Technologiepolitik zeige ich wie das organisationale Design und die prozedurale Ausgestaltung von Beratungsorganisationen und  -prozessen aber auch die rhetorische Vermittlung „erfolgreicher“ Politikberatung mit spezifischen Ideen und Repräsentationen über die „wissenschaftliche“ und „politische“ Sphäre sowie mit verschiedenen Modellen der effektiven Verbindung der beiden Sphären zusammenspielt. Im Konkreten frage ich wie in verschiedenen Beratungsinstitutionen und –prozessen der Politikprozess konzeptualisiert wird, was als autoritatives Wissen gilt. Ob und wie werden „wissenschaftliche Fakten und „gesellschaftliche Werte“ abgegrenzt? Welche Rollen werden WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und Stakeholdern zugesprochen und welche Erfolgskriterien werden aufgestellt? Der Vortrag schließt mit einer kritischen Diskussion der spezifischen Herausforderungen, die sich für die wissenschaftliche Politikberatung vor dem Hintergrund verschiedener konzeptioneller Grundlagen und entsprechender Institutionalisierungen ergeben.