TA16-Konferenz: Call for Papers

Smart New World

Was ist smart an „smarten Technologien“?

Internationale Konferenz TA16, Wien, 30. Mai 2016

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche verspricht weitgehende Veränderungen, die gemeinhin unter dem Label „Smart“ firmieren. Smart Cities sollen durch neue Technologien effizient und umweltfreundlich werden. Smart Homes verheißen durch intelligente, also Daten sammelnde und verarbeitende Geräte und Steuerungssysteme, bessere Anpassung an unsere Bedürfnisse. Smart Grids sollen die Flexibilität der Energieversorgung erhöhen, Smart Cars uns das Steuern von Fahrzeugen abnehmen, und Smart Production soll als Industrie 4.0 eine neue Epoche industriellen Produzierens einleiten. All diese technischen Visionen versprechen, unser Leben besser – bequemer, effizienter, sicherer, bedürfnisgerechter, ressourcenschonender oder gesünder – zu machen.

Die generelle Zuschreibung, die neue Technologien als „smart“ klassifiziert, gepaart mit ihren universellen Anwendungsbereichen, macht eine genauere und kritische Auseinandersetzung zum Gebot der Stunde. Dabei geht es nicht nur darum, des „Kaisers neue Kleider“ von realen Verbesserungen zu unterscheiden, sondern um längerfristige Folgen und um notwendige Beiträge zu einer demokratieverträglichen und menschen-gerechten Technikgestaltung. „Smarte Technologien“ verändern nicht nur die Beziehung zwischen Mensch und Technik, sie stellen auch grundlegende gesellschaftliche Werte zur Debatte. Einige Fragestellungen für mögliche Beiträge sind:

Autonomie oder Fremdbestimmung?
Erweitert die Unterstützung durch smarte Technologien menschliche Handlungsspielräume, indem sie nützliche Informationen zur Verfügung stellt und von beschwerlichen Routinen entlastet? Oder führen diese Technologien zu einer Entmündigung, indem sie die Menschen entsprechend ihrer automatischen Kategorisierung durch Algorithmen in vorgegebene Bahnen drängen?

Privatsphäre oder gläserner Mensch?
Informationstechnologien erfassen immer mehr Daten und analysieren uns immer umfassender und tiefer. Führt eine „smarte Welt“ zwangsläufig zum „gläsernen Menschen“ oder sind auch Konfigurationen realisierbar, die auf einer Datenminimierung und dem Filtern überflüssiger Informationen beruhen?

Soziale Kohärenz oder Selbstoptimierung?
Smarte Technologien versprechen an die eigenen Bedürfnisse angepasste Dienste oder Informationen. Dient dies dem gesellschaftlichen Zusammenhalt oder werden dadurch bestehende Tendenzen zu einer Entsolidarisierung verstärkt?

Sicherheit oder Abhängigkeit?
Smarte Technologien sollen zu einer effizienteren und sichereren Versorgung mit Energie, Waren oder Dienstleistungen beitragen. Können Sie diese Versprechen tatsächlich einlösen oder erhöhen sie unsere Abhängigkeit von fragilen technischen Infrastrukturen?

Entlastung oder Jobverlust?
Visionen einer digitalen Vernetzung zu cyberphysischen Systemen auf Basis des Internets der Dinge und der fortgeschrittene Einsatz von Robotik verheißen ein neues Zeitalter der Industrialisierung. Wenn Industrie 4.0 tatsächlich zu Produktivitätssprüngen und zur Befreiung von Monotonie und körperlicher Belastung führt, wie viel Wert wird dabei noch weiteren Arbeitsplatzverlusten und einem zunehmen-den Qualifizierungsdruck beigemessen?

Um Fragen wie diese zu diskutieren, lädt das ITA zur Einreichung von Abstracts für Vorträge in einem Umfang von ca. 500 Worten an TAmail@ÖAW ein. Abgabeschluss für Abstracts ist der 29. Februar 2016. Eine Rückmeldung an die Autorinnen und Autoren erfolgt bis zum 14. März 2016.

 

 

Dirk HELBING (ETH Zürich, Computational Social Science)
Sarah SPIEKERMANN
(Vienna University of Economics and Business, Institute for Management Information Systems)