Von der "Naturphilosophie" zur "Lebenswissenschaft"

Der Wandel biologischer Wissenschaftskultur am Universitätsstandort Wien

Wie Wissenschaft praktiziert und verstanden wird, verändert sich stetig. Die Biologie des 20. und 21. Jahrhunderts, erwachsen aus der "Naturphilosophie", liefert ein gutes Beispiel für den fortwährenden Wandel wissenschaftlicher Praxis und Identität.

Dieser Wandel spiegelt sich in den der Biologie später zur Seite gestellten Forschungs- und Innovationsfeldern Biotechnologie und "Bioengineering" wider. Wissenschaftliches Erkennen und technisches Konstruieren werden nun untrennbar miteinander verknüpft. Die Fusionierung von Biologie und Medizin unter dem Schlagwort der "Life Sciences" verbindet Erkennen und Konstruieren letztlich mit dem gesundheitlichen Anwendungskontext.

Die Lebenswissenschaft kann damit als Paradebeispiel einer Technowissenschaft interpretiert werden, die aus der Kombination unterschiedlicher handlungsleitender und identitätsstiftender Zielsetzungen erwächst. Daraus erwachsen auch neue Herausforderungen im gesellschaftlichen Umgang mit ihr: Als technische Anwendung wird sie einerseits selbst zum Thema von Technikfolgenabschätzung und Regulierungsbestrebungen, stellt aber als Wissenschaft andererseits Interventionen von Seiten der Gesellschaft als illegitime Verletzung wissenschaftlicher Freiheit in Frage.

Verständnis und gesellschaftliche Steuerung von Technowissenschaft

Das Verständnis der Vielfalt an vergangenen und gegenwärtigen Deutungsoptionen in Hinblick auf die Biologie bzw. Lebenswissenschaft, wie sie für Regulierungs- wie Förderansätze folgenreich sind, wurden in dieser explorativen Bestandsaufnahme vertieft. Perspektiven von VertreterInnen unterschiedlicher Forschungsrichtungen und Generationen von LebenswissenschaftlerInnen wurden in vier narrativen Interviews erhoben und einander gegenübergestellt. Dabei verband alle InterviewpartnerInnen der Bezug zum Forschungsstandort Wien.

Unterschiede ergaben sich in der Art, wie Biologie und Natur mit einander in Bezug gesetzt wurden, in dem Ausmaß der Identifikation mit Biologie als Fachgebiet, in der Rolle die Tradition und Innovation in der Entwicklung des Faches beigemessen wurde und im Blick auf den Forschungsstandort. Sowohl die Generationenzugehörigkeit, als auch die organismische oder molekulare Ausrichtung der InterviewpartnerInnen erwiesen sich als bedeutsam für die je unterschiedlichen Sichtweisen. Letztere haben ihrerseits Implikationen für Visionen eines guten Verhältnisses von (Techno)Wissenschaft und Gesellschaft.

Foto von Craig Venter
Erstes Scientific Advisory Board Meeting 2013 für Eve Bio mit Craig Venter, dem ersten Menschen, dem es gelang das menschliche Genom zu sequenzieren. (Foto: Steve Jurvetson/Wikimedia)
Laufzeit
04/2017 - 06/2018
Kontaktpersonen
Finanzierung
MA7, Kulturabteilung der Stadt Wien