Cyberscience 2.0

Facebook, Twitter, Wikipedia, Google und Second Life verändern auch das Wissenschaftssystem. In ihrem Buch werfen Michael Nentwich und René König einen Blick auf den Einfluss aktueller Internet-Plattformen auf die Wissenschaft.

Der Einfluss des Internet auf die Wissenschaft ist umfassend – Cyberscience ist heute Realität: E-Mail ist Standard, alle WissenschafterInnen und deren Institute sind im Web präsent, Datenbanken sind alltägliche Werkzeuge, elektronisch verfügbare Zeitschriften die Norm. Die anfangs großen Unterschiede zwischen den einzelnen Fächern verschwimmen zunehmend. In den letzten Jahren wandelt sich das Internet einerseits durch die Dominanz von Google, andererseits durch Web 2.0-Dienste wie Facebook, Twitter, Second Life oder Wikipedia.

Social Networks für WissenschaftlerInnen

Facebook-artige Dienste für WissenschafterInnen bieten mittlerweile auch spezielle Funktionen an, etwa wenn es um Publikationen geht. ResearchGate, Academia.edu oder Mendeley haben jeweils weit über eine Million Mitglieder, wobei nur ein Teil tatsächlich aktiv ist. WissenschafterInnen twittern und bloggen, oder tragen zu Wikipedia bei, Forschungseinrichtungen findet man auch innerhalb von Second Life. Hemmen oder fördern Web 2.0-Dienste die Wissenschaft? Die Debatte zwischen GegnerInnen und BefürworterInnen ist hitzig.

Aktive Beteiligung ist gefragt

Die Informationssuche im Twitter-Netzwerk, Öffentlichkeitsarbeit über Blogs oder Kontaktaufnahme mit KooperationspartnerInnen über Soziale Netzwerkseiten bringen eindeutige Vorteile. Andererseits ist es schwieriger den gewünschten Netzwerkeffekt zu erreichen, wenn das eigene Netzwerk nur über viele parallele Kanäle erreicht werden kann. Darüber hinaus kann es bei intensiver Nutzung zu Informationsüberladung und Problemen im Zeitmanagement kommen.

Möglichkeit zur Mitgestaltung

Ob und auf welche Weise es zur Cyberscience 2.0 kommen wird, hängt u.a. davon ab, ob sich der Trend zur Facebook-Gesellschaft fortsetzen wird. Kommerzielle Interessen, praktischer Nutzen, Politik und (Cyber-)Wirtschaft spielen dabei ebenfalls eine Rolle.

Das Buch zeigt die Potenziale des Web 2.0 und der wachsenden Nutzung in Forschung und Lehre. Es plädiert an Forschungspolitik, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Fachgesellschaften, sich mit dieser dynamischen und einschneidenden Entwicklung proaktiv auseinandersetzen, und sie nicht nur nutzen, sondern auch mitzugestalten und weiterzuentwickeln.

Links

Cyberscience 2.0 – Research in the Age of Digital Social Networks: Michael Nentwich und René König, Verlag Campus (Frankfurt/Main 2012). Das Buch ist in Teilen auch im Volltext Open Access zugänglich

ITA-Projekt – Interaktive Wissenschaft, Cyberscience 2.0

ITA-Thema – Cyberwissenschaft

13.06.2012
Von: Michael Nentwich, Denise Riedlinger

Cyberscience 2.0 – Research in the Age of Digital Social Networks: Michael Nentwich und René König, Verlag Campus (Frankfurt/Main 2012)