Ethik und Gesundheit

Unterricht jenseits normalisierender Anerkennung

Gesund oder krank – wer bestimmt das? Normal oder nicht – wer legt das fest? Selbstbestimmt leben und altern – was heißt das? Medizinisch-technisch machbar – was davon ist erlaubt und gerecht?

Mit diesen Fragen haben sich SchülerInnen, StudentInnen, LehrerInnen und WissenschafterInnen zwei Jahre lang intensiv auseinandergesetzt. In der Beschäftigung mit Forschungsansätzen, in interdisziplinärem Austausch und der Einbeziehung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen haben sie spannende Ergebnisse geliefert, wie z.B. Bachelor- und Diplomarbeiten zu ethisch relevanten Fragestellungen, einen Ethikleitfaden für Entwicklungsprojekte an technischen Schulen, oder interdisziplinäre Forschungsbeiträge sowie zahlreiche Lehr- und Lernmaterialen.

In unserer technisierten und globalisierten Welt, in der alle Lebensbereiche im Detail berechnet und optimiert werden, ist Gesundheit ein heiß umkämpftes Gut geworden. Naturwissenschaftliche und medizinische Forschung und Praxis arbeiten daran, Behinderungen auszuschließen, Leben zu verlängern und Körper nach Maß zu modellieren. Durch die dominante Fokussierung auf den technisch aufgerüsteten Menschen und ökonomische Aspekte werden soziale Perspektiven von Gesundheit und Krankheit sowie Fragen der Bedürftigkeit und Verletzlichkeit ausgeblendet. Ungleichheiten vergrößern sich, Perspektiven werden verengt, die Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt.

SchülerInnen sind mit diesen Entwicklungen auf unterschiedliche Weise konfrontiert: als individuelle Personen und mögliche Betroffene sowie als Jugendliche, die an einem Beruf in Forschung, Medizin, Pflege oder Technikentwicklung interessiert sind. Doch wie müssten bioethische Fragestellungen im Unterricht verhandelt werden, damit sich junge Menschen an der ethischen Bewältigung der Problemstellungen beteiligen? Wie könnten Materialien gestaltet sein, die zu einer kritischen Wahrnehmung und verantwortungsbewussten Praxis befähigen?

Das ITA veranstaltete im Rahmen des Projekts einen Akademie-Tag, in dessen Rahmen sich die SchülerInnen der drei Partnerschulen, der Akademie für Fort- und Sonderausbildung am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien, dem Bereich Pflege des Wiener Parhamergymnasiums und der Privaten HTL Mistelbach, mit ForscherInnen des ITA ausgetauscht haben.

Der WalkAssist, entwickelt von Schülern der HTL Mistelbach, unterstützt Sehschwache und Blinde. Eingebaute Sensoren erkennen Hindernisse, eine Leuchtdiode und ein Tonsignal alarmieren die BenutzerInnen.