Delphi Austria

Technologie – Delphi – Austria

Die Studie im Rahmen des vom Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr eingerichteten Forschungsprogramms „Delphi Austria“ stellt eine eigenständige Variante eines „technology-foresight“ dar.

 

Sie ist strikt auf Österreich ausgerichtet, problemorientiert, auf Umsetzbarkeit bedacht und konzentriert sich als dezentral angelegte Suche nach Innovationsfeldern mit Chancen auf österreichische Themenführerschaft selektiv auf sieben Gebiete:

  • Biologische Nahrungsmittel und Rohstoffe;
  • Eigenschaftsdefinierte Werkstoffe;
  • Lebenslanges Lernen;
  • Medizintechnik und Lebenshilfen für ältere Menschen;
  • Physische Mobilität;
  • Umweltgerechtes Bauen und neue Wohnformen;
  • Umweltgerechte Produktion und Nachhaltigkeit.

Methodisches Kernstück ist eine von interdisziplinär zusammengesetzten Expertengruppen vorbereitete und in ihrer Durchführung breit angelegte Delphi-Umfrage in zwei Runden unter insgesamt 1127 Expert(inn)en aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Nutzervertretung. Das Design entspricht dem Konzept eines „Entscheidungs-Delphi“ und trägt zum einen dazu bei, auf einem Gebiet, auf dem die Entwicklung durch zahllose, unkoordinierte Einzelentscheidungen bestimmt wird, die Vorstellungen und Einschätzungen der Beteiligten transparent zu machen, zu strukturieren und in einem dezentralen Prozeß aufeinander abzustimmen. Darüberhinaus liegen Einschätzungen zu nahezu 300 für die nächsten 15 Jahre besonders bedeutsame technische und organisatorische Innovationen, sowie zu einer Vielzahl darauf bezogener Maßnahmenvorschläge vor.

Daraus lassen sich folgende analytische und technologiepolitische Schlußfolgerungen ableiten:

1. Auf einigen Gebieten bestehen bereits jetzt oder zumindest mittelfristig gute Chancen auf Themenführerschaft österreichischer Forschungseinrichtungen bzw. Firmen, insbesondere bei der Anwendung hoher – wenn auch nicht höchster – Technologie auf grundsätzlich mitteltechnologischen Feldern, andererseits auf Märkten, auf denen Österreich auf Grund besonderer Nachfragebedingungen (etwa Gesetzgebung, Sozialsystem, Konsumentenpräferenzen) lead market-Charakter aufweist; den Sprung vom Technologienehmer zum Technologieentwickler hat Österreich allerdings im allgemeinen noch nicht geschafft.

2. Hoffnungsgebiete für Themenführerschaft zeichnen sich unter anderem in folgenden Bereichen ab:

  • Simulationsmodelle als Konstruktionshilfe
  • Hightech-Stähle und Leichtwerkstoffe
  • Recyclierbare Verbundwerkstoffe und Recycling von Werkstoffkombinationen
  • Lärmarmes rollendes Material für die Bahn
  • umweltverträgliche Produktionsverfahren (insbesondere in der Metall- und Papierbranche sowie im Bereich von Oberflächentechnologien)
  • Werkstoff Holz (insbesondere im konstruktiven Bereich)
  • Ökologisierung der Bauwirtschaft
  • Biologische Lebensmittel (Vorleistungen wie Saatgut und Züchtung sowie Verfahren zur Haltbarmachung)
  • Unterstützung lebenslangen Lernens durch maßgeschneiderte Weiterbildungspakete, intelligente Selektionshilfen und elektronische Lernmedien
  • technische Lebenshilfen zur Unterstützung der Eigenständigkeit im Alter ohne Verlust persönlicher Kontakte
  • Organ- und Funktionsersatz (in Verbindung mit der Materialforschung, etwa biokompatible Materialien, Hybridtechnologien).

3. Informations- und Kommunikationstechnologien sind zwar in fast allen Fällen erfolgreicher oder erfolgversprechender Themenführerschaft maßgeblich beteiligt, spielen als eigenständige Technologien im österreichischen Kontext jedoch nur in einigen Nischenbereichen eine Rolle.

4. Als Problembereich zeichnet sich ab, daß der Innovationshorizont von Firmen und der anwendungsorientierten Forschung in der Regel zu kurz ist.

5. Technologische Alleingänge sind selten erfolgreich: Erfolge bei der Erreichung von Themenführerschaft setzen einen breiten Ansatz voraus, eine gute Zusammenarbeit der Firmen mit Forschungseinrichtungen unterschiedlicher Ausrichtung, eine Verbindung technologischer und organisatorischer Innovationen sowie eine kritische Mindestzahl von Forschungseinrichtungen und Firmen.

6. In den Experteneinschätzungen kommt eine eher ambivalente Einstellung gegenüber organisatorischen Innovationen bzw. ein gewisser Zweifel an ihrer Realisierbarkeit zum Ausdruck (und zwar sowohl als Alternative zu technischen Lösungen wie auch als Begleitmaßnahme).

7. Wichtigste Maßnahme ist die Verstärkung der Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen und Firmen, aber auch der Forschungseinrichtungen wie der Firmen untereinander. Weitere Vorschläge betreffen: die Förderung der Clusterbildung in zentralen zukunftsorientierten Bereichen, die Schaffung neuer Koordinierungsinstitutionen für interdisziplinäre Schwerpunkte, eine Differenzierung der Förderung von Routine-Innovationen und riskanten langfristigen Projekten, Zielvorgaben bei allen Förderprojekten und deren regelmäßige Evaluierung sowie die Einrichtung von Pilotprojekten, insbesondere für organisatorische Innovationen. Für jedes der sieben Gebiete findet sich darüberhinaus eine große Zahl von spezielleren Politikvorschlägen im bereichsspezifischen Ergebnisband (Delphi Report Austria 2).

 

Delphi-Reports (siehe Downloads):

  • Delphi I – Technologie Delphi I, Konzept und Überblick, Schriftenreihe Delphi Report Austria 1, ITA, Mai 1998
  • Delphi II – Technologie Delphi II, Ergebnisse und Maßnahmenvorschläge, Schriftenreihe Delphi Report Austria 2, ITA, Mai 1998
  • Delphi III – Technologie Delphi III, Materialien, Schriftenreihe Delphi Report Austria 3, ITA, Mai 1998