Globale Unternehmensnetzwerke – ein Vergleich Wien-München


Zielsetzung und Fragestellungen


Der Global Financial Centres Index (GFCI) basiert auf zahlreichen Indikatoren, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit von Finanzzentren weltweit bewertet warden soll. Demnach finden sich schon seit Jahren London und New York an der Spitze des globalen Finanzsystems und weisen eine wesentlich höhere Stabilität und Robustheit als weniger bedeutende – soggenannte second tier – Finanzplätze auf. Dies zeigt sich besonders deutlich an den Finanzplätzen Wien und München, die über die Jahre eine beträchtliche Schwankung aufgewiesen haben. Bei der Erklärung dieser Ranginstabilität stoßen Rankings – wie eben das GFCI – an ihre Grenzen.

Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die Dynamik und Verflechtung der Finanzplätze Wien und München anhand anderer Indikatoren zu bewerten. Neben den Übernahmen und Fusionen des Banken- und Versicherungssektors sollen auch neue Akteure, Private Equity-Unternehmen, hinsichtlich ihrer Verflechtungen berücksichtigt werden. Zentrale Methode ist die soziale Netzwerkanalyse, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt worden ist, um die Veränderungen in der Geographie der europäischen Finanzplätze – für Wien und München – erfassen zu können.

Die Netzwerkanalysen wurden für die drei Zeiträume 1997-2001, 2002-2006 sowie 2007-2009 durchgeführt. Dabei zeigt sich eine unterschiedliche räumliche und sektorale Integration der beiden Finanzplätze Wien und München. In Wien weisen die Daten auf eine starke Dominanz des Banken- und Versicherungssektors (Spezialisierung), während in München eine größere Diversifizierung existiert – dort spielen Private Equity-Firmen eine wesentlich größere Rolle. Räumlich zeigt sich im Falle Wiens eine starke Dominanz der Übernahmen im osteuropäischen Ausland, die zu einer deutlichen Zunahme der Zentralität im Netzwerk der europäischen Finanzzentren geführt haben. Umgekehrt hat München seine starke Position im Versicherungswesen durch Übernahmen am deutschen Binnenmarkt stabilisieren bzw. ausbauen können. Die Ergebnisse zeigen für beide Städte, wie sehr aktuelle Entwicklungen auf historische Entwicklungspfade zurückgehen und belegen somit die Pfadabhängigkeit der beiden Finanzplätze.

Publikationen


Zademach, H.-M., Musil, R. (2014): Global Integration along Historic Pathways: Vienna and Munich in the Changing Financial Geography of Europe. In: European Urban and Regional Studies 21/4, S. 463-483. DOI: 0.1177/0969776412457172