Die Rückkehr historischer Investitionsmuster?

Die Bedeutung der Pfadabhängigkeit für die Internationalisierung der Wiener Banken


Zielsetzung und Fragestellungen


Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges ist es zu einer raschen, nachholenden Internationalisierung der Wiener Wirtschaft in das östliche Europa gekommen, wobei die Banken hier eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage, welche historischen Vorbedingungen – also das Ost-Engagement der Wiener Banken vor dem Jahr 1989 – für den Erfolg in den 1990er und frühen 2000er Jahren hatte. Damit möchte das Projekt auch einen konzeptionellen Beitrag zur Theoriebildung in der evolutionären Wirtschaftsgeographie leisten, nämlich zur Frage nach der Differenzierung zwischen „starken“ und „schwachen“ Entwicklungspfaden (weak and strong history) sowie den Übergängen zwischen diesen. Eine weitere Fragestellung des Projektes betrifft die medialen Diskurse über die Ostgeschäfte der Wiener Banken, die sich durch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die politischen Risiken in der Region stark gewandelt haben.

Ergebnisse


Auf Basis der Auswertung der Geschäftsberichte der großen Wiener Banken (Raiffeisen, Bank Austria, Erste Bank, Volksbanken AG und BAWAG-PSK) sowie der Direktinvestitionsstatistik der ÖNB konnte der starke Entwicklungspfad seit den 1990er Jahren umfassend dokumentiert werden: hohe sektorale und räumliche Konzentration, überdurchschnittliche Unternehmensgewinne und eine geringe Varietät der Unternehmensstrategien haben zu einer hohen Stabilität und selbstverstärkenden Effekten des Entwicklungspfades geführt. Welche Rolle spielten dabei historische Vorbedingungen, die noch in die Zeit des Eisernen Vorhanges zurückreichen?

Mittels qualitativer Experteninterviews mit hochrangigen Bankmanagern, die um 1989 im internationalen Geschäftsfeld tätig waren konnte belegt werden, dass die Erfahrungen, Kontakte und persönlichen Netzwerke in Politik und Wirtschaft für den Erfolg nach 1989 ausschlaggebend waren. Für die Übertragung des Wissens zwischen dem schwachen vor-1989er und dem starken nach-1989er Pfad waren nur eine sehr geringe Zahl an Personen ausschlaggebend, die in der Zeit des Kalten Krieges kleine Repräsentanzen geleitet oder Kontakte der verstaatlichten Industrie in die COMECON-Staaten unterstützt haben.

Publikationen


Musil, R. und Eder, J. (2015): Entwicklungspfade des Finanzplatzes Wien. Transformation von der weak zur strong history? In: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 59/4, S. 259-275. DOI 10.1515/zfw-2015-0405