26.06.2013

Kulturelle Identitäten in Nordost-Indien im Wandel

Von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien organisierte internationale Konferenz diskutiert die vielfältige und bis vor kurzem nur schwer zugängliche Region des indischen Nordostens

Tanz der Jugendgruppe in Ninggam, Assam 2007) vor theravadabuddhistischer Pagode. Nur fünf Dörfer sprechen die Sprache Tai-Phake. (Foto: Jürgen Schöpf, 2007)

„Nordost-Indien zeichnet sich durch eine besondere ethnische und religiöse Vielfalt aus. Diese Vielfalt in der Grenzregion zu Nepal, China, Bhutan und Myanmar wurde in den letzten Jahrzehnten von nationalen und transnationalen Dynamiken erfasst, die zu rasantem Wandel in den kulturellen Identitäten der Region führten – vom Religionswechsel ganzer Gruppen bis hin zu kreativen Neuartikulationen ethnischer Identitäten“, erklärt die am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW forschende Dr. Mélanie Vandenhelsken, eine der OrganisatorInnen der Konferenz „Negotiating Ethnicity: Politics and Display of Cultural Identities in Northeast India“, die vom 4. bis 6. Juli 2013 am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der Universität Wien stattfindet.

Die Konferenz wird in Kooperation mit dem Initiativkolleg „Cultural Transfers and CrossContacts in the Himalayan Borderlands”, das von Prof. Martin Gaenszle an der Universität Wien geleitet wird, und der Botschaft der Republik Indien abgehalten. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet und hat zugleich eine stärkere kultur- und sozialanthropologische Prägung, wie bereits das Team der OrganisatorInnen zeigt. Neben Vandenhelsken beruht die Konferenz auf dem Engagement von Shahnaz Kimi Leblhuber vom Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, Bianca Son vom Deptartment of History der School of Oriental and Asian Studies, University of London, und Dr. Jürgen Schöpf vom Phonogrammarchiv der ÖAW.

Als Beispiel für den gegenwärtigen Wandel in der Region, in der Reisende seit kurzem nicht mehr spezielle Bewilligungen brauchen, nennt Vandenhelsken die Gurung im Bundesstaat Sikkim: „Der gutgemeinte Versuch der indischen Regierung, Posten in öffentlichen Einrichtungen oder Universitäten für benachteiligte Gruppen zu reservieren, führt beispielsweise dazu, dass mehr als 40.000 Anhänger der Gruppe der Gurung einen Religionswechsel vom Hinduismus zum Buddhismus in Erwägung ziehen, um als anerkannter ‚Volksstamm‘ staatliche Unterstützung zu erhalten.“ In Sikkim verfließen auch die Grenzen zwischen den Religionen, wie Vandenhelsken betont, die in dem vom FWF finanzierten und vom renommierten Tibet-Forscher Doz. Guntram Hazod geleiteten Projekt „Social grouping, ethnicity and state in Sikkim. Constructions of social groups and interethnic relationships in a Himalayan State of India“ arbeitet.

Neben dem staatlichen Einfluss befasst sich die Konferenz mit Migration, Tourismus, Kunst und Medien und deren Rollen im kulturellen Wandel sowie in den religiösen und linguistischen Dynamiken der Region. Desweiteren reicht die Palette der Vorträge von ethnischen Festivals bis hin zu separatistischen Bewegungen, die auch für ein breiteres Publikum von Interesse sind. Darüber hinaus bietet die Konferenz die Möglichkeit, vor allem mit indischen WissenschafterInnen in Kontakt zu treten. Denn rund die Hälfte der 55 TeilnehmerInnen kommt aus Indien; und die andere Hälfte teilt sich auf verschiedene europäische Länder, Thailand, die USA und Australien auf. Hervorzuheben gilt es, dass der Konferenz die Intention zugrunde liegt, es NachwuchswissenschaftlerInnen zu ermöglichen, mit etablierteren KollegInnen die neuesten Entwicklungen in Nordost-Indien zu diskutieren – rund 40% der TeilnehmerInnen sind DoktorandInnen.

Die NachwuchswissenschaftlerInnen werden z.B. besonders profitieren vom Dialog mit Prof. Sajal Nag (Assam University, Silchar, Indien), dem renommierten indischen Historiker Nordost-Indiens, dem Politikwissenschaftler Prof. Sanjib Baruah (Bard College, New York), der zu Gewalt und den politischen Problemen der Region arbeitet, dem Sozialanthropologen Toni Huber (Humboldt Universität, Berlin), der zu „Tribal“ Festivals vortragen wird, oder auch dem Sozialanthropologen B. G. Karlsson (Universität Stockholm), der die kulturellen Prozesse, die von der „affirmative action“ für Minderheiten beeinflusst werden, untersucht.

 

 

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Terminaviso:
Konferenz: „Negotiating Ethnicity: Politics and Display of Cultural Identities in Northeast
India“ (Zeit: 4. bis 6. Juli 2013; Ort: Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der
Universität Wien, Spitalgasse 2, 1090 Wien; Hof 2.1, Seminarraum 3; Hof 2.2, Hörsaal A;
Hof 1.6.2., Seminarraum 2)

Link zum Konferenzprogramm:
www.oeaw.ac.at/sozant/files/nenei/NENEI-Program.pdf

FWF-Projekt:
„Social grouping, ethnicity and state in Sikkim. Constructions of social groups and
interethnic relationships in a Himalayan State of India“ (P21886 )

Leiter: Univ.-Doz. Dr. Guntram Hazod, Institut für Sozialanthropologie (ISA), Österreichische
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Mitarbeiterin: Dr. Mélanie Vandenhelsken, Institut für Sozialanthropologie (ISA), Österreichische
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Fotos: Die Fotos können gerne in Berichten unter Angabe des Copyrights verwendet werden.

 

26.06.2013

Kulturelle Identitäten in Nordost-Indien im Wandel

Von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien organisierte internationale Konferenz diskutiert die vielfältige und bis vor kurzem nur schwer zugängliche Region des indischen Nordostens

Tanz der Jugendgruppe in Ninggam, Assam 2007) vor theravadabuddhistischer Pagode. Nur fünf Dörfer sprechen die Sprache Tai-Phake. (Foto: Jürgen Schöpf, 2007)

„Nordost-Indien zeichnet sich durch eine besondere ethnische und religiöse Vielfalt aus. Diese Vielfalt in der Grenzregion zu Nepal, China, Bhutan und Myanmar wurde in den letzten Jahrzehnten von nationalen und transnationalen Dynamiken erfasst, die zu rasantem Wandel in den kulturellen Identitäten der Region führten – vom Religionswechsel ganzer Gruppen bis hin zu kreativen Neuartikulationen ethnischer Identitäten“, erklärt die am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW forschende Dr. Mélanie Vandenhelsken, eine der OrganisatorInnen der Konferenz „Negotiating Ethnicity: Politics and Display of Cultural Identities in Northeast India“, die vom 4. bis 6. Juli 2013 am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der Universität Wien stattfindet.

Die Konferenz wird in Kooperation mit dem Initiativkolleg „Cultural Transfers and CrossContacts in the Himalayan Borderlands”, das von Prof. Martin Gaenszle an der Universität Wien geleitet wird, und der Botschaft der Republik Indien abgehalten. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet und hat zugleich eine stärkere kultur- und sozialanthropologische Prägung, wie bereits das Team der OrganisatorInnen zeigt. Neben Vandenhelsken beruht die Konferenz auf dem Engagement von Shahnaz Kimi Leblhuber vom Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, Bianca Son vom Deptartment of History der School of Oriental and Asian Studies, University of London, und Dr. Jürgen Schöpf vom Phonogrammarchiv der ÖAW.

Als Beispiel für den gegenwärtigen Wandel in der Region, in der Reisende seit kurzem nicht mehr spezielle Bewilligungen brauchen, nennt Vandenhelsken die Gurung im Bundesstaat Sikkim: „Der gutgemeinte Versuch der indischen Regierung, Posten in öffentlichen Einrichtungen oder Universitäten für benachteiligte Gruppen zu reservieren, führt beispielsweise dazu, dass mehr als 40.000 Anhänger der Gruppe der Gurung einen Religionswechsel vom Hinduismus zum Buddhismus in Erwägung ziehen, um als anerkannter ‚Volksstamm‘ staatliche Unterstützung zu erhalten.“ In Sikkim verfließen auch die Grenzen zwischen den Religionen, wie Vandenhelsken betont, die in dem vom FWF finanzierten und vom renommierten Tibet-Forscher Doz. Guntram Hazod geleiteten Projekt „Social grouping, ethnicity and state in Sikkim. Constructions of social groups and interethnic relationships in a Himalayan State of India“ arbeitet.

Neben dem staatlichen Einfluss befasst sich die Konferenz mit Migration, Tourismus, Kunst und Medien und deren Rollen im kulturellen Wandel sowie in den religiösen und linguistischen Dynamiken der Region. Desweiteren reicht die Palette der Vorträge von ethnischen Festivals bis hin zu separatistischen Bewegungen, die auch für ein breiteres Publikum von Interesse sind. Darüber hinaus bietet die Konferenz die Möglichkeit, vor allem mit indischen WissenschafterInnen in Kontakt zu treten. Denn rund die Hälfte der 55 TeilnehmerInnen kommt aus Indien; und die andere Hälfte teilt sich auf verschiedene europäische Länder, Thailand, die USA und Australien auf. Hervorzuheben gilt es, dass der Konferenz die Intention zugrunde liegt, es NachwuchswissenschaftlerInnen zu ermöglichen, mit etablierteren KollegInnen die neuesten Entwicklungen in Nordost-Indien zu diskutieren – rund 40% der TeilnehmerInnen sind DoktorandInnen.

Die NachwuchswissenschaftlerInnen werden z.B. besonders profitieren vom Dialog mit Prof. Sajal Nag (Assam University, Silchar, Indien), dem renommierten indischen Historiker Nordost-Indiens, dem Politikwissenschaftler Prof. Sanjib Baruah (Bard College, New York), der zu Gewalt und den politischen Problemen der Region arbeitet, dem Sozialanthropologen Toni Huber (Humboldt Universität, Berlin), der zu „Tribal“ Festivals vortragen wird, oder auch dem Sozialanthropologen B. G. Karlsson (Universität Stockholm), der die kulturellen Prozesse, die von der „affirmative action“ für Minderheiten beeinflusst werden, untersucht.

 

 

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Terminaviso:
Konferenz: „Negotiating Ethnicity: Politics and Display of Cultural Identities in Northeast
India“ (Zeit: 4. bis 6. Juli 2013; Ort: Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der
Universität Wien, Spitalgasse 2, 1090 Wien; Hof 2.1, Seminarraum 3; Hof 2.2, Hörsaal A;
Hof 1.6.2., Seminarraum 2)

Link zum Konferenzprogramm:
www.oeaw.ac.at/sozant/files/nenei/NENEI-Program.pdf

FWF-Projekt:
„Social grouping, ethnicity and state in Sikkim. Constructions of social groups and
interethnic relationships in a Himalayan State of India“ (P21886 )

Leiter: Univ.-Doz. Dr. Guntram Hazod, Institut für Sozialanthropologie (ISA), Österreichische
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Mitarbeiterin: Dr. Mélanie Vandenhelsken, Institut für Sozialanthropologie (ISA), Österreichische
Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Fotos: Die Fotos können gerne in Berichten unter Angabe des Copyrights verwendet werden.