04.11.2014

Das Geschäft der Zukunftsdeuter: Weltszenarien aus kritischer sozialanthropologischer Sicht

Ulf Hannerz, Pionier der Erforschung globaler Prozesse, hält die 9. Eric Wolf Lecture in Wien

Das Ende des Kalten Krieges brachte nicht nur bedeutende Umwälzungen der geopolitischen Weltordnung mit sich, sondern warf auch große Fragen auf: Was bringt die Zukunft? Wohin entwickelt sich die Welt? In diesem Klima des Umbruchs und der Unsicherheit tauchten neue Stimmen im öffentlichen Diskurs auf, die Ulf Hannerz in seiner Eric Wolf Lecture im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 10.11.2014 kritisch hinterfragen wird. Diese sogenannten „globalen öffentlichen Intellektuellen“ bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Medien und Politik und formulieren Gegenwartsanalysen und Zukunftsprognosen, die oft prägnante Titel tragen, sich einer breiten Leserschaft erfreuen und damit zu einem lukrativen Geschäft wurden. Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte“ oder Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ sind Beispiele solcher Weltszenarien, die global zirkuliert und diskutiert werden.

Ulf Hannerz hat das Schreibgenre der Weltszenarien eingehend untersucht, unter anderem als IFK-Fellow mit dem Projekt „The geocultural imagination: scenarios and story lines“. SozialanthropologInnen haben kaum zu diesem Genre beigetragen, und verglichen mit anthropologischen Analysen fehlt es den Weltszenarien oft an Vielschichtigkeit. Dennoch sind sie für die Disziplin hochinteressant, so Hannerz, da sie globale Politik durch Einbezug kultureller Faktoren zu erklären versuchen und durch ihre Popularität großen Einfluss auf das Kulturverständnis heutiger Gesellschaften weltweit haben.

Ulf Hannerz ist Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften und emeritierter Professor der Sozialanthropologie an der Universität Stockholm sowie Träger zahlreicher Preise und Ehrentitel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der urbanen Anthropologie, der Medienanthropologie und der Analyse transnationaler Prozesse. Unter seinen zahlreichen Publikationen findet sich die Monographie eines afroamerikanischen Viertels in Washington, D.C., ebenso wie eine Studie über AuslandskorrispondentInnen und Überlegungen zur Rolle der Anthropologie in der Gegenwart. Den größten Einfluss hatten aber seine Arbeiten zur Globalisierung. Sein 1996 erschienenes Buch „Transnational Connections“ war wegweisend für das aufkommende sozialwissenschaftliche Interesse an globalen Prozessen.

Die Eric Wolf Lecture

Die Eric Wolf Lecture wird seit 2002 als Kooperation des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften veranstaltet. Seit 2004 werden die Eric Wolf Lectures in Current Anthropology, einer der renommiertesten sozialanthropologischen Fachzeitschriften, veröffentlicht. Mit der Einladung zur Eric Wolf Lecture werden Forscherinnen und Forscher für besondere wissenschaftliche Leistungen geehrt. Die Eric Wolf Lecture dient zugleich der schöpferischen Weiterentwicklung des Vermächtnisses von Eric Wolf im Sinne einer kosmopolitischen und weltoffenen Kultur- und Sozialanthropologie.

Eric Robert Wolf wurde 1923 in Wien geboren. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung musste er unter dem Nazionalsozialismus emigrieren, zuerst nach England, dann in die USA. Er studierte Anthropologie an der Columbia University und lehrte sodann an der Universität Michigan, am Lehman College und schliesslich am City University of New York Graduate Center. Eric Wolf, Träger des McArthur-Preises, Mitglied der American Academy of Fine Arts and Sciences und Ehrendoktor der Universität Wien, war einer der bedeutendsten Sozialanthropologen des 20. Jahrhunderts. Sein berühmtestes Werk ist das 1982 erschienene Buch „Europe and the People without History“, in welchem er die globale Vernetzung geschichtlicher Prozesse seit 1400 aufzeigte, und somit Pioniersarbeit in der anthropologischen Erforschung globaler Prozesse leistete. Eric Wolf starb 1999 in New York.

 

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Terminaviso:

The 9th Eric Wolf Lecture: Ulf Hannerz, Professor Emeritus, Stockholm University:
Writing Futures: An Anthropologist’s View of Global Scenarios
Montag, 10.11.2014, 18.00 Uhr (sine tempore)
Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Festsaal
Dr. Ignaz-Seipl-Platz 2, 1010 Wien

Programm:
Siehe http://www.ifk.ac.at/index.php/events-detail/events/217.html

 

04.11.2014

Das Geschäft der Zukunftsdeuter: Weltszenarien aus kritischer sozialanthropologischer Sicht

Ulf Hannerz, Pionier der Erforschung globaler Prozesse, hält die 9. Eric Wolf Lecture in Wien

Das Ende des Kalten Krieges brachte nicht nur bedeutende Umwälzungen der geopolitischen Weltordnung mit sich, sondern warf auch große Fragen auf: Was bringt die Zukunft? Wohin entwickelt sich die Welt? In diesem Klima des Umbruchs und der Unsicherheit tauchten neue Stimmen im öffentlichen Diskurs auf, die Ulf Hannerz in seiner Eric Wolf Lecture im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 10.11.2014 kritisch hinterfragen wird. Diese sogenannten „globalen öffentlichen Intellektuellen“ bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Medien und Politik und formulieren Gegenwartsanalysen und Zukunftsprognosen, die oft prägnante Titel tragen, sich einer breiten Leserschaft erfreuen und damit zu einem lukrativen Geschäft wurden. Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte“ oder Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ sind Beispiele solcher Weltszenarien, die global zirkuliert und diskutiert werden.

Ulf Hannerz hat das Schreibgenre der Weltszenarien eingehend untersucht, unter anderem als IFK-Fellow mit dem Projekt „The geocultural imagination: scenarios and story lines“. SozialanthropologInnen haben kaum zu diesem Genre beigetragen, und verglichen mit anthropologischen Analysen fehlt es den Weltszenarien oft an Vielschichtigkeit. Dennoch sind sie für die Disziplin hochinteressant, so Hannerz, da sie globale Politik durch Einbezug kultureller Faktoren zu erklären versuchen und durch ihre Popularität großen Einfluss auf das Kulturverständnis heutiger Gesellschaften weltweit haben.

Ulf Hannerz ist Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften und emeritierter Professor der Sozialanthropologie an der Universität Stockholm sowie Träger zahlreicher Preise und Ehrentitel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der urbanen Anthropologie, der Medienanthropologie und der Analyse transnationaler Prozesse. Unter seinen zahlreichen Publikationen findet sich die Monographie eines afroamerikanischen Viertels in Washington, D.C., ebenso wie eine Studie über AuslandskorrispondentInnen und Überlegungen zur Rolle der Anthropologie in der Gegenwart. Den größten Einfluss hatten aber seine Arbeiten zur Globalisierung. Sein 1996 erschienenes Buch „Transnational Connections“ war wegweisend für das aufkommende sozialwissenschaftliche Interesse an globalen Prozessen.

Die Eric Wolf Lecture

Die Eric Wolf Lecture wird seit 2002 als Kooperation des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften veranstaltet. Seit 2004 werden die Eric Wolf Lectures in Current Anthropology, einer der renommiertesten sozialanthropologischen Fachzeitschriften, veröffentlicht. Mit der Einladung zur Eric Wolf Lecture werden Forscherinnen und Forscher für besondere wissenschaftliche Leistungen geehrt. Die Eric Wolf Lecture dient zugleich der schöpferischen Weiterentwicklung des Vermächtnisses von Eric Wolf im Sinne einer kosmopolitischen und weltoffenen Kultur- und Sozialanthropologie.

Eric Robert Wolf wurde 1923 in Wien geboren. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung musste er unter dem Nazionalsozialismus emigrieren, zuerst nach England, dann in die USA. Er studierte Anthropologie an der Columbia University und lehrte sodann an der Universität Michigan, am Lehman College und schliesslich am City University of New York Graduate Center. Eric Wolf, Träger des McArthur-Preises, Mitglied der American Academy of Fine Arts and Sciences und Ehrendoktor der Universität Wien, war einer der bedeutendsten Sozialanthropologen des 20. Jahrhunderts. Sein berühmtestes Werk ist das 1982 erschienene Buch „Europe and the People without History“, in welchem er die globale Vernetzung geschichtlicher Prozesse seit 1400 aufzeigte, und somit Pioniersarbeit in der anthropologischen Erforschung globaler Prozesse leistete. Eric Wolf starb 1999 in New York.

 

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Terminaviso:

The 9th Eric Wolf Lecture: Ulf Hannerz, Professor Emeritus, Stockholm University:
Writing Futures: An Anthropologist’s View of Global Scenarios
Montag, 10.11.2014, 18.00 Uhr (sine tempore)
Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Festsaal
Dr. Ignaz-Seipl-Platz 2, 1010 Wien

Programm:
Siehe http://www.ifk.ac.at/index.php/events-detail/events/217.html