Genetische Verantwortung & Remoteness

Dieses Projekt untersucht die Konfiguration von Gesundheitsgerechtigkeit auf abgelegenen Inseln der Malediven, mit einem Fokus auf angeborene Anämie. Die Prognose für Thalassämie-Patient/inn/en auf den Malediven hat sich in den letzten zehn Jahren von einer letalen pädiatrischen Diagnose zu einer Behandlungs-intensiven chronischen Erkrankung transformiert. Das Risiko, ein homozygotes Kind zu gebären, ist ebenfalls einigermaßen vorhersehbar und vermeidbar geworden. Kurzum, genetisches Schicksal ist nun mit genetischer Verantwortung gekoppelt.
Genetische Verantwortung (Novas & Rose 2000) in Behandlung und Prävention wird allerdings auf dem Archipel ungleich wahrgenommen. Obwohl die Hauptstadtinsel Male‘ ein Drittel der Bevölkerung beherbergt hat sie einen viel geringeren Anteil an neuen Thalassämie-Geburten. Urbane Patient/inn/en folgen auch eher ihren Behandlungsplänen und sind somit generell in einer besseren gesundheitlichen Verfassung. Zwei Drittel der maledivischen Bevölkerung leben in verstreuten, kleinen Inselgemeinden, die Patient/inn/en und Klient/inn/en oft als eine mehr oder weniger abgelegene Gesundheitsperipherie erleben. Remoteness ist allerding keine bloß geographische Tatsache (Ardener 1987). Dieses Projekt untersucht Remoteness in Wechselbeziehung mit genetischer Verantwortung als ein relationales Ergebnis von Geographie, Genen und menschlicher Handlungen.