Zozan ist ein kurdischer Terminus und bedeutet Sommerweide. Er bezieht sich auf die traditionelle Lebensweise der Tierhaltung auf den Almen, auf ein mobiles Leben in relativer Freiheit.

Das Projekt ZOZAN vereint drei Themenbereiche, nämlich vergangene und aktuelle Mobilitäten von Kurd/innen, Kunstproduktion und Repräsentation in transnationalen Räumen. Der interdisziplinäre Projektansatz einer „kritischen Anthropologie der Kunst“ verbindet künstlerische Praxis, (visuelle) Anthropologie und kunstbasierte Forschung, um traditionelle und moderne Formen von Migration in den kurdischen Gesellschaften zu dokumentieren, analysieren und (neu) zu präsentieren. Dabei werden transnationale Verbindungen und Ströme sichtbar gemacht.

ZOZAN geht den folgenden Fragen nach: Kann visuelle Kunst die hochgradig fluide und dynamische Erinnerungs- und Identitätsarbeit in transnationalen Gemeinschaften erfassen? Welche Rolle kann Kunst in der Konstruktion von „Postmemories“ und historischen Narrativen spielen? Wie kann Kunstproduktion ethnische/nationale Grenzen überschreiten und Brücken bauen?

Das Projekt nimmt zwei umfassende multimediale Sammlungen zu kurdischen Gesellschaften, die zwischen 1968 und 2019 entstanden sind, zum Ausgangspunkt. Die Sammlung Werner Finke und die Sammlung Mehmet Emir befinden sich an der Schnittstelle von Kunst und Sozialanthropologie und sind einzigartige Dokumentationen kurdischer Alltagskulturen. Sie spiegeln traditionelle Lebensweisen und sozio-politische Transformationen wider. Ein Ziel dieses Projektes ist, diese beiden Sammlungen auszugsweise digitalisiert online sowie in Druckwerken zugänglich zu machen.

Ein Arbeitsansatz des Projektes ist die Organisation künstlerischer Interventionen, basierend auf den beiden Sammlungen. Diese Interventionen werden als Workshops mit internationalen Künstler/innen und ausgewähltem Publikum in verschiedenen kurdischen und europäischen Institutionen organisiert. Damit können höchst fluide Prozesse von Identitäten, Mobilitäten und Erinnerunskonstruktionen erfasst und Themen wie vergangene Lebensweisen, kulturelles Erbe und aktuelle Herausforderungen der Globalisierung diskutiert werden.

Ziel dieser Interventionen ist die Erarbeitung von Repräsentationsformen, die die Sammlungen wie auch die rezente Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe, Identität(en) und Erinnerungsformen umfassen. Die Ergebnisse der Workshops werden in Einzelausstellungen und schließlich als Gesamtschau dem Publikum präsentiert. Neben den Ausstellungen sind auch eine Reihe von Publikationen, eine Website und ein Film geplant.
 

Projektleitung:
Maria Six-Hohenbalken

Projektmitarbeiter:
Mehmet Emir, Eva Kolm, Eva Stockinger, ausgewählte KünstlerInnen, Andreas Lehner (Kurator), weitere Wissenschaftler/innen und ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Beirat.

Projektlaufzeit:
06/2021 ­– 05/2025

Finanzierung:
FWF PEEK Projekt AR 682