Montag, 15. Juni 2015, 18:30

Persepolis: Geschichte, Erinnerung, Imagination

Vortrag von Florian Schwarz

Die gewaltige Anlage von Persepolis, die sich noch heute weithin sichtbar über die Ebene von Marvdasht nahe Schiraz erhebt, war nicht die einzige „Hauptstadt“ des Großreichs der Achämeniden. Auch in Susa haben sich beeindruckende Reste der achämenidischen Palast- und Stadtanlage erhalten, und Hamadan wird in antiken Quellen als ebenbürtige Residenz der Achämeniden beschrieben. Doch kein anderer Ort wurde so sehr mit der Dynastie der Achämeniden identifiziert wie das ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor unserer Zeit erbaute Persepolis.
Nach der Inbesitznahme durch Alexander d. Gr. und die teilweise Zerstörung im Jahr 330 v.u.Zt. verlor Persepolis rasch an politischer Bedeutung. Aber selbst als die historische Erinnerung an die Achämeniden schon lange verblasst war, befeuerten die eindrucksvollen Ruinen der Palastterrasse und die benachbarten achämenidischen Königsgräber die Vorstellungskraft. Die Ruinen von Persepolis entwickelten sich zu einem iranischen Identifikationsort. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die Ruinen von Persepolis durch bildliche Darstellungen und Beschreibungen von Reisenden auch in Europa bekannt; Fischer von Erlach ließ sich für seinen ersten Idealplan für Schloss Schönbrunn unter anderem von Darstellungen von Persepolis inspirieren.


Dieser Vortrag ist Teil der vom Institut für Iranistik und der Österreichischen Orient-Gesellschaft gemeinsam organisierten Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung". Das Programm des Sommersemesters 2015 steht unter dem Schwerpunkt "Städte und Stätten des Iran".