Montag, 09. Januar 2017, 18:30

Die Himmelsrichtungen der Altiraner. Zur Orientierung der achämenidischen Palastbauten und der zoroastrischen Ritualflächen

Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Kianoosh Rezania, Universität Bochum

Abstract Um sich im Raum zu orientieren, und die räumliche Relation der Gegenstände zueinander auszudrücken, verwenden wir verschiedene Methoden. Eine dieser Methoden jetzt fixierte Kardinalrichtungen ein. Die vier Haupthimmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen bilden unsere Kardinalrichtungen. Orientierten sich die Altiraner im Raum ebenfalls mit diesen Himmelsrichtungen? Nach der Darstellung verschiedener Raumkoordinatensysteme befasst sich der Vortrag mit dem altiranischen absoluten Koordinatensystem. Anhand der Orientierung achämenidischer Palastgebäude, der Reihenfolge der Länder in altpersischen Länderlisten sowie avestischer Sprachbelege wird herausgestellt, dass die Altiraner nicht unsere Haupthimmelsrichtungen für ihre Orientierung im Raum benutzten, sondern ein anderes absolutes Koordinatensystem verwendeten. Die Kardinalrichtungen dieses Systems werden vorgestellt.

Zur Person Kianoosh Rezania studierte Computer-Ingenieurwesen (MA, 1997) und altiranische Kultur und Sprachen (MA, 2002) in Teheran. Er promovierte in Altiranistik über das Thema "Die zoroastrische Zeitvorstellung: eine Untersuchung über Zeit- und Ewigkeitskonzepte und die Frage des Zurvanismus" an der Georg-August-Universität Göttingen (publiziert bei Harrassowitz 2010). Er ist der Herausgeber des Bandes Raumkonzeptionen in antiken Religionen (Harrassowitz 2014) und der Autor des Bandes Raumkonzeption im früheren Zoroastrismus. Kosmische, kultische und soziale Räume (Harrrassowitz, im Erscheinen). Seit 2016 hat er die Professur für Westasiatische Religionsgeschichte am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien an der Ruhr-Universität Bochum inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind zoroastrische Religionsgeschichte in Interaktion mit weiteren Religionen, besonders dem Islam, die Entwicklung von Raum- und Zeitkategorien in der Antike und Spätantike, mittelpersisches Schrifttum und Digital Humanities.