Institut für Iranistik / Institute of Iranian Studies Österreichische Akademie der Wissenschaften
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Österreichrelevante Iranforschung, Dissertationsprojekt
Iranians in Vienna. An analysis of the various levels of discourse regarding Iranian ethnic categories and their potential for transformations into ethnic identifications
Projektbearbeitung: Dr. Julia Czarnowski
 

abgeschlossen 07/2008

 
Dissertationsprojekt an der Universität Wien im Fach Kultur- und Sozialanthropologie (Betreuer Prof. Dr. Bert Fragner)
 

Unter 'IranerInnen' werden hier solche Personen gefasst, die sich selber als solche definieren oder die von Dritten als IranerInnen eingestuft werden. Darunter fallen Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen (z.B.: Perser, Armenier, Assyrer, Kurden), verschiedener religiöser Gruppen (z.B.: Zoroastrier, Baha’i, Schi'iten, Sunniten), verschiedenere Generationen (1., 1,5., 2. und 3. Generation) sowie Angehörige verschiedener Berufs- und Interessensgruppen. Gleichsam gehören dazu all diejenigen, die eigentlich überhaupt nichts mehr mit dem Iran zu tun haben, die sich als areligiös definieren und die mit solcherlei ethnischen und kulturellen Zuschreibungen nichts anfangen können.

Diskurse finden nicht in einem luftleeren Raum statt, sondern sind an bestimmte Orte und Zeiten gebunden. Dasselbe gilt für Diskurse, in deren Zentrum eine ethnische Kategorie wie beispielsweise "IranerIn-sein" steht und die "IranerInnen" thematisieren sowie gleichsam charakterisieren. Soziale Akteure, die ein Feld "betreten" – sei es durch Zuzug aus einer anderen österreichischen Stadt, einer Migration nach Österreich oder der Geburt – finden sich hier nicht nur in einem physischen und kulturellen Raum wieder, der ihre Handlungen mitprägt, sondern auch in einem diskursiven Raum. In diesem diskursiven Raum werden Diskurse aus einer Reihe unterschiedlicher Quellen gespeist. Er offeriert und oktroyiert sozialen Akteuren eine Vielzahl von Identifikationsmöglichkeiten. Innerhalb dieses Dissertationsprojektes werden die verschiedenen diskursiven Ebenen, die sich mit IranerInnen in Wien beschäftigen, untersucht und in ihrem Wirkungskontext dargestellt. Einerseits gehört dazu der "dominant discourse" (Gerd Baumann) oder auch "Interim Diskurs" (Siegfried Jäger), der die Vorstellungen zu Iran und IranerInnen innerhalb der breiten Bevölkerungsmasse trägt und prägt. Um diesen Diskurs einzufangen, wurde eine Medienanalyse durchgeführt, welche die Berichterstattung zu IranerInnen/Iran sowie der Vergleichsgruppe TürkInnen/Türkei über einen Zeitraum von drei Monaten (Jänner 2000, August 2002, Juni 2005) und über vier Medien (Kronen Zeitung, Presse, Der Standard, Kurier) analysiert hat. Insgesamt wurden über 1000 Zeitungsartikel registriert, die sich mit einer der beiden Bezugsgruppen beschäftigen und die in Folge hinsichtlich ihrer sprachlichen aber auch bildlichen Darstellungen analysiert wurden. Andererseits wurden "demotic discourses" (Gerd Baumann), d.h. Diskurse, die innerhalb Iranischer Communities stattfinden und die entweder eigene Bilder entwerfen oder die mainstream Bilder kontern, untersucht. Nach der kritischen Diskursanalyse sind das die so genannten "Spezialdiskurse", die hier allerdings nicht auf die Wissenschaften bezogen sind, sondern vielmehr innerhalb von einzelnen Teilgruppen der Gesamtbevölkerung zirkulieren (z.B. unter Iranischen Männern, Iranischen StudentInnen, IranerInnen der 2. Generation, Iranischen KünstlerInnen usw.). Fragebögen und Interviews geben Einblicke in die tatsächliche Wirkung und Rezeption dieser Diskurse.

 

Methode

Narrative Interviews, teilnehmende Beobachtung, Literaturauswertung, Fragebogenerhebungen, Medienanalyse
 
Methodologie
Grounded Theory
 
Theoretische Verankerung
Diskursanalyse (Jäger, Wodak sowie Baumann) und Kognitive Anthropologie (hier vor allem Jenkins)
 
Literaturliste
  • Baumann, Gerd
    1996 Contesting Culture: Discourses of Identity in multi-ethnic London. Cambridge Studies in Social and Cultural Anthropology, vol. 100. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Baumann, Gerd, and Andre Gingrich
    2004 Grammars of Identity/Alterity. A Structural Approach. The EASA Series. New York; Oxford: Berghahn Books.
  • Jäger, Siegfried
    1993 Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung. Duisburg.
  • Jenkins, Richard
    2004 Social Identity. Second Edition. Ed. by Peter Hamilton. Key Ideas. London; New York: Routledge.
  • Wodak, Ruth (ed)
    1989 Language, power and ideology. Studies in political discourse. Ed. by Iris M. Zavala and Myriam Díaz-Diocaretz. Critical Theory. Interdisciplinary approaches to language, disocurse and ideology, vol. 7. Amsterdam; Philadelphia: John Benjamins Publishing Company.
  • Wodak, Ruth, Rudolf de Cillia, Martin Reisigl, Karin Liebhart, Klaus Hofstätter, and Maria Kargl
    1999 The Discursive Construction of National Identity. Ed. by Norman Fairclough. Trans. by Angelika Hirsch and Richard Mitten. Critical Discourse Analysis Series, vol. 1. Edinburgh: Edinburgh University Press.
 
 
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  zuletzt geändert am: 03.02.2012