Institut für Iranistik / Institute of Iranian Studies Österreichische Akademie der Wissenschaften
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Kulturwandel in Iran und iranisch geprägten Gesellschaften: regionale, transregionale und kulturübergreifende Dimensionen
 
Die Chroniken des Schah Dschahan (reg. 1628–58) –
Geschichtsschreibung und die Dynamik des Staats der Moguln
(English text, see below)
Projektleitung: Hon.-Prof. Dr. Florian Schwarz, Projektbearbeitung: Dr. Stephan Popp
 
Forschungsprojekt, gefördert über den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
 
abgeschlossen 02/2015
 

Das Forschungsprojekt (Projektstart: 02/2012) analysiert die mogulische Hofgeschichtsschreibung unter Schah Dschahan systematisch daraufhin, wie sich der Staat unter ihm gemäß der persischen Quellen entwickelt hat. Die Reisebeschreibungen europäischer Indienreisender dieser Zeit werden herangezogen, um einen Kontext für die Hofchronisten herzustellen und sie kritisch zu hinterfragen. Geschichtsschreibung diente in Indien, soweit islamisch geprägt, der Darstellung guter Staatsführung; dabei dürfen die Zielsetzungen der einzelnen Chronisten nicht vernachlässigt werden.

Schah Dschahan kontrollierte und korrigierte seine Chronisten persönlich, sodass wir davon ausgehen können, dass er selbst diese Diskurse in den Chroniken aufgezeichnet haben wollte. Trotzdem existiert eine Unstimmigkeit, die wir verwerten können: Schah Dschahan setzte für die erste Dekade seiner Herrschaft Qazvīnī als Hofchronisten ein, beschloss aber dann, den Islam als Staatsreligion einzuführen und die Ideologie des „Universalen Friedens“ seines Großvaters Akbar abzuschaffen. Daher entließ er Qazvīnī und befahl, die Chronik islamischen Prinzipien entsprechend umzuschreiben. Dazu setzte er Lahaurī ein und ließ ihn die Chronik von Anfang seiner Herrschaft an so umarbeiten, dass sie der neuen Politik entsprach. Daher liegen zwei Versionen der ersten zehn Jahre von Schah Dschahans Herrschaft vor.

Das Projekt wird sich daher hauptsächlich mit der umfangreichen Chronik Qazvīnīs und mit dem dreibändigen Pādshāhnāma des Lahaurī befassen, um die Entwicklung der Selbstdarstellung des Staates Schah Dschahans aus den Quellen herauszuarbeiten. Weiters wird die Geschichte von Kānbō für das letzte Jahr Schah Dschahans, den Erbfolgekrieg und seine Absetzung verwendet, was die anderen Quellen nicht schildern. Als viertes wird auf das weniger umfangreiche Shāhjahānnāma von Tabātabāī wo nötig zurückgegriffen werden. Die Reiseberichte der Europäer Manrique, Tavernier, Manucci und Bernier werden ebenfalls verwendet, um ein Licht von einem nicht höfischen Standpunkt auf die Hofchroniken zu werfen. Neben einer analytischen Monographie soll eine Übersetzung von Qazvīnīs Chronik ein wichtiges Ziel dieses Projekts sein.

Die Diskurse in den Quellen sollen hinsichtlich der Wirkung von Schah Dschahans Umgestaltung des Staates, der Folgen seiner Kriege, den Verwaltungsvorgängen und dem Machtdiskurs analysiert werden, sowie hinsichtlich des Zustands des Staates zu der Zeit, als ihn Aurangzēb übernahm. Sie wird untersuchen, was uns die Quellen darüber berichten, wie Schah Dschahans Machtanspruch auf den unteren Staatsrängen aufgenommen wurde, wie bei den kleinen Grundherren (zāmīndārs), und wie dieser Diskurs von dort aus aussah. Hier kann das Projekt an Ebba Kochs Studien zur Verbindung von Hofzeremoniell und Palastarchitektur anknüpfen, die zeigen, dass Zeremoniell eine Form der Entscheidungsfindung war.

Die Aufgabe dieser Studie ist daher, ein Reich auf seinem Höhepunkt aus seinen Quellen zu beschreiben, ein stabiles, jedoch nicht stagnierendes Reich. Frühere Mogulhistoriker haben dazu tendiert, beides zu verwechseln und die zentrale Periode von Schah Dschahans Herrschaft auszulassen. Dennoch ist es für eine ausführliche Geschichte des Mogulreiches unerlässlich, den Übergang von der Phase der Konsolidierung unter Akbar zur wachsenden Instabilität unter Aurangzēb zu beschreiben. Dieses Projekt wird entscheidend dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

 
 
 
 
Cultural change in Iran and iraniate societies: regional, transregional and cross-cultural dimensions
 
The chronicles of Shah Jahan (rul. 1628–58)
(Deutscher Text, siehe oben)
 
Project directed by: Hon.-Prof. Dr. Florian Schwarz, work on the project: Dr. Stephan Popp
 
Research project, funded by the Austrian Science Fund (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung - FWF)
 

this project will analyse systematically Mughal court historiography under Shāh Jahān regarding the development of the state under him as depicted in the Persian sources. Contemporary European travelogues will be consulted to provide a context for the court chroniclers and assess them critically. To reach this aim, special attention will be paid to the historical discourse of each of the chroniclers. Historiography in Islamicate India was written in order to demonstrate good governance; however, the objectives of the chroniclers must not be overlooked.

Shāh Jahān controlled and corrected his chroniclers personally, so that we can be sure that the discourses in the chronicles are those that he himself wanted to be recorded. Still, there is one inconsistency which we can utilize: Shāh Jahān employed Qazvīnī as his official court chronicler for his first decade of his reign, but then decided to introduce Islam as state religion and abolish his grandfather Akbar’s state ideology of “universal peace”. He therefore dismissed Qazvīnī and ordered his history to be rewritten along Islamic tenets. For this task, he employed Lahaurī and ordered him to rewrite the chronicle to reflect the new policy right from the start of Shāh Jahān’s reign. We therefore have two versions of Shāh Jahān’s first decade.

Therefore, the projected study will principally be concerned with the extensive chronicle of Qazvīnī and with Lahaurī’s Pādshāhnāma (3 vols.), to elaborate the development of the self-portrayal of Shāh Jahān’s state in the sources. Moreover, the history of Kānbō will be used for Shāh Jahān’s last year, the war of succession and his deposition, which the others lack. The forth, less extensive Shāhjahānnāma of Tabātabāī will be consulted when necessary. Likewise, the travelogues of the Europeans Manrique, Tavernier, Manucci, and Bernier will be used to throw light on the court chronicles from a non-courtly viewpoint. A translation of Qazvīnī’s chronicle will be an important product of the study, in addition to an analytical monograph.

The discourse analysis of the sources will be conducted with regard to the impact of Shāh Jahān’s state reorganisation, to the consequences of his wars, to the processes of administration and the discourse of power, and to the condition of the state when his son Aurangzēb seized it. It will investigate in what way the sources tell us about how Shāh Jahān’s claim to power was received at the lower levels of the state, such as the small zamīndārs, and how this discourse was seen from there. The study will also aim at understanding how the sources suppose administration to be represented at court. Here, the project can tie in with Ebba Koch’s studies on court ceremonial as connected to palace architecture, which show that ceremonial was a form of decision-making.
The task of this study is therefore to describe an empire at its height from its sources, an empire in stability but not in stagnation. Former historians of the Mughal Empire have tended to confound both and to leave out the central period of Shāh Jahān’s reign. Nevertheless, it is crucial for a critical history of the Mughal Empire to describe the transition from the consolidating phase under Akbar to the increasing instability under Aurangzēb. This project will be an important step towards closing this gap.

 
 
 
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  zuletzt geändert am: 08.02.2012