Biographie des Monats April 2018

AUGUST SCHAEFFER VON WIENWALD – LANDSCHAFTSMALER, MUSEUMSDIREKTOR UND KUNSTSCHRIFTSTELLER

August Schaeffer, Porträt von A.D. Goltz, um 1910 (© S. Haiden)

Zwischen beruflicher Pflicht und künstlerischer Leidenschaft  – so ist das Schaffen August Schaeffers kurz zu umreißen. Sein Geburtstag jährt sich heuer zum 185. Mal.

Am 30.4.1833 wurde August Carl Schaeffer als Sohn des Chirurgen Karl Christian Schäffer (1799-1862) und seiner Frau Elisabeth Scheibenbogen (1799-1873) als drittes von sechs Kindern in Wien geboren. Er war Schwager des Malers Ludwig Halauska und des Kupferstechers Karl B. Post. Väterlicherseits lässt sich eine Verwandtschaft mit dem Maler Peter Fendi festmachen.

August Schaeffer war in erster Ehe mit der Hofopernsängerin Emilie Hoffmann (1835-1889) verheiratet, seine Tochter aus dieser Ehe, Auguste Schaeffer-Kendler, wurde von ihm zur Stilllebenmalerin ausgebildet. In zweiter Ehe ab 1905 war er mit der Emailkünstlerin und Schriftstellerin Auguste Wahrmund verheiratet, die die Veröffentlichung seiner Künstlerhaus-Chronik 50 Jahre Wiener Künstler-Genossenschaft unter Kaiser Franz Josef I. 1935 in die Wege leitete.

Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Schaeffer ab 1851 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, von 1852-56 Landschaftsmalerei bei Franz Steinfeld d. J. Danach folgten Studienreisen nach Salzburg, Tirol, Italien, Kroatien, Deutschland, Helgoland und Ungarn.

DAS WIRKEN IN DER KAISERLICHEN GEMÄLDEGALERIE

Ab 1868 war er Mitglied der Akademie der bildenden Künste, wo er 1871 seine Beamtenkarriere als Skriptor der Bibliothek und 1874-80 als Kustos der Gemäldegalerie begann. Hier erstellte er das erste, heute verschollene und nie veröffentlichte Katalogwerk der Gemäldegalerie, das etwa 1.000 Gemälde detailreich beschrieb. 1881-92 war Schaeffer Kustos und stellvertretender Direktor der Kaiserlichen Gemäldegalerie, ab 1892 bis Ende 1910 deren mehrfach mit Orden gewürdigter Direktor. Er war zwar der letzte „Malerdirektor“, doch hatte er während seines Direktorats durch Berufung von Kunsthistorikern die Weichen zu einem nach neuesten kunstwissenschaftlichen Erkenntnissen aufgestellten und geführten Museum gestellt.

Unter seiner Leitung erfolgte nicht nur eine publikumswirksame und allseits anerkannte Neuaufstellung der Galerie, es wurden auch verstärkt konservatorische Aspekte berücksichtigt. Die Restaurier-Ateliers wurden großzügig ausgebaut und personell erweitert, ebenso die Fotoateliers und die Fotosammlung und nicht zuletzt ein europaweiter Austausch mit anderen Museen gepflegt.
Weiters war Schaeffer ab 1861 Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), fungierte 1884-86 als deren Vorstand, 1913 wurde er zu deren Ehrenmitglied ernannt.

1905 wurde ihm der Amtstitel Hofrat verliehen, 1911 wurde er mit dem Prädikat „Edler von Wienwald“ in den Adelsstand erhoben.

Verdienstvoll war Schaeffer auch als Lehrer von Malerinnen, besonders Tina Blau, Olga Wisinger-Florian und Ernestine von Kirchsberg, tätig.

DER KUNSTSCHRIFTSTELLER

Als Kunstschriftsteller verfasste er unzählige Katalogeinführungen, Presseartikel, Nekrologe auf Künstlerkollegen, auch kunstwissenschaftliche Arbeiten, sowie einen Sonderdruck zur Alpinen Landschaftsmalerei. Unter seiner Leitung entstand eine Reihe von Führern durch die Gemälde-Galerie, erstmals auch illustriert. Auf sein Hauptwerk Die Kaiserliche Gemäldegalerie in Wien, Moderne Meister, 1903 mit einer chronologisch dargestellten Entwicklung der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts auf Grundlage des Werkbestandes der Kaiserlichen Gemäldegalerie wird auch heute noch in Forschungsarbeiten zur österreichischen Kunst zurückgegriffen.

KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN – DIE BERUFUNG

Bei all seinen beruflichen Herausforderungen sah Schaeffer jedoch immer die Landschaftsmalerei als seine eigentliche Berufung.

Als Maler war er ein von den Zeitgenossen hochgeschätzter Traditionalist, er setzte sich aber auch mit modernen Strömungen auseinander. Von den frühen Ölstudien ab den 1860er-Jahren (Studienausstellungen im Künstlerhaus 1869 und 1883) bis zu seinem Spätwerk finden sich dafür zahlreiche Belege.

Seine frühe und mittlere Schaffensphase charakterisiert eine kraftvolle, oft pastose Malweise in warmen Grün- und Rostbrauntönen, in seinem Spätwerk ab 1898 hellt sich seine Palette hin zu einer Senf-Ocker-Skala mit silbrigen Tonwerten auf und gibt einer poetisch-lyrischen Grundstimmung Raum.

Schaeffers Kunst umfasst ein breites Spektrum: von spätbiedermeierlich-romantisierenden Werken und alpinen Landschaften (Aussicht von der Hütteneckalm auf das Dachsteingebirge, 1871) über Freilicht-Ölstudien mit intimen Landschaftsausschnitten (Ungarische Landschaft, 1857), die in Steinfelds Schule schon ab 1853/54 im regulären Unterricht  gepflegt wurden, bis hin zu frühimpressionistischen Ölstudien um 1870 (Vom Mönchsberge in Salzburg, 1869). Bemerkenswert sind die elf monumentalen Ölgemälde für den Landschaftszyklus im Naturhistorischen Museum Wien, 1884-89, und die Werke des Stimmungsrealismus (Ein heiterer Apriltag im Wienerwald, 1900) sowie symbolistisch inspirierte Werke um 1900. In den späten Seebildern finden sich auch secessionistische Anklänge (St. Gilgen. Am Wolfgangsee, 1900).

Wenn auch das malerische Werk den größten Anteil an Schaeffers Œuvre hat (Werkverzeichnis Ölgemälde mit 451 Nummern), ist doch auch sein breit gefächertes zeichnerisches Werk bedeutend. Hier reicht sein Spektrum von frühen, präzise erfassten Detailstudien zur Werkvorbereitung, über Figurenskizzen und rudimentär in schnellen Linien erfassten Panoramalandschaften bis zu einer Serie von großformatigen Kohlezeichnungen der Spätzeit. Nicht unerwähnt darf auch Schaeffers vielseitiges Werk an Aquarellen bleiben, das sich von einem zeichnerischen Stil hin zu malerischen Stimmungslandschaften entwickelte.

Auch eine ansehnliche graphische Produktion ist zu nennen: Zwei Kaiserliche Mappenwerke: Ansichten aus dem kaiserlichen Tiergarten bei Wien, 1876 und Monographie des kaiserlichen Lustschlosses Laxenburg, 1878, sowie zwei ganzseitige Abbildungen (Aus dem Gletschergebiete und Ried in der Gegend von Salzburg) zum Übersichtsband (1. Abteilung/2) des sogenannten Kronprinzenwerks „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, 1886.

Schaeffer starb am 29.11.1916 in Wien und ist auf dem Nußdorfer Friedhof begraben. Ein Teilnachlass wird im Research Center Belvedere Wien verwahrt.

Das Werkverzeichnis der Ölgemälde und Studien findet sich in: S. Haiden, Studie zum Werk des österreichischen Landschaftsmalers August Schaeffer von Wienwald (1833-1916), phil. Diss. Wien, 2017.


Weitere Werke (Auswahl): Helgoland, 1858, Blick über den Königssee, 1861 (beide Belvedere, Wien); Waldegg, 1862 (Museum Niederösterreich); Herbstabend im Walde, 1863 (Akademie der bildenden Künste, Wien); Der Lautersee mit dem Wetterstein, 1865 (Wien Museum); Felsenlandschaft mit Barken, 1871 (Szépművészeti Múzeum, Budapest); Abendstimmung über dem Föhrenwald, 1872; Auf dem Heimweg von der Weltausstellung im Prater, 1875 (Belvedere); Der Wolfgangsee von der Lueg aus gesehen, 1882 (Salzburg Museum); Gewitterstimmung. Partie aus dem alten Prater, 1887; Sandgrube in der Penzinger Au, 1901; Natur und Kultur, 1905 (Belvedere).

Publ.: Alpine Landschaftsmalerei, 1890; Führer durch die Gemälde-Galerie; Die Landschaften der Gemälde-Galerie des ah. Kaiserhauses, in: JB der kh. Sammlungen, 1891; Die Kaiserliche Gemälde-Galerie in Wien, Moderne Meister, 2 Bde., 1903; Der Kaiser und die bildenden Künste, in: Kaiser-Festnummer, Österreichs Illustrierte Zeitung, 1908; 50 Jahre Wiener Künstler-Genossenschaft unter Kaiser Franz Josef I., 1915, 6 Bde., (Manuskript 1935 von A. Wahrmund veröffentlicht - Künstlerhaus-Archiv).


Literatur: Neue Freie Presse, 30.11.1916; Czeike; Fuchs 19. Jh.; Thieme-Becker; Wurzbach; C. v. Vincenti, Wiener Kunst-Renaissance, 1876, S. 364-369; F. v. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts 2/2, 1901; L. Hevesi, Österreichische Kunst im 19. Jahrhundert 2, 1903, S. 253-254; C. v. Vincenti, Wiener Landschaftsmeister A. Schaeffer, in: Kunst für Alle 16, 1903, S. 383-387; Festschrift Fünfzig Jahre „Grüne Insel“, 1905, S. 108-166; Nachlass-Ausstellung im Künstlerhaus, Wien 1917 (Kat.); Der künstlerische Nachlass des Wiener Landschaftsmalers August Schaeffer Edler von Wienwald, 1918 (Kat. C.J. Wawra); L. Münz, Österreichische Landschaftsmalerei von Schindler bis Klimt, Wien 1955, S. 66-68 (Kat.); P. Pötschner, Wien und die Wiener Landschaft, 1978, S. 300, T. 176; Pre-Modern Art of Vienna 1848-1898, New York 1987, S. 129, 150 (Kat.); Adler 14, 1987, S. 244-245; C. Jesina, August Schaeffer (Galerie 16, Kat.), 2000; P. Peer, Die österreichische Landschaftsmalerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, phil. Diss. Graz, 2002; Stimmungsimpressionismus, Wien 2004, S. 194-195 (Kat.); Naturhistorisches Museum Wien, ed. St. Jovanović-Kruspel, 2014, S. 205-207, 229; S. Haiden, Studie zum Werk des österreichischen Landschaftsmalers August Schaeffer von Wienwald (1833-1916), phil. Diss. Wien, 2017.

(Susanna Haiden)

Wir danken dem Bildarchiv Austria (Österreichische Nationalbibliothek) und dem Belvedere Wien für die freundliche Überlassung der Bildrechte.

Aussicht von der Hütteneckalm auf das Dachsteingebirge, 1871 (© Bildarchiv ÖNB Wien)
Auf dem Heimweg von der Weltausstellung im Wiener Prater, 1875 (© Belvedere Wien)
Vom Mönchsberge in Salzburg, 1869 (© S. Haiden)
Ein heiterer Apriltag im Wienerwalde, 1900 (© S. Haiden)
St. Gilgen. Am Wolfgangsee, 1900 (© Belvedere Wien)