Landtage in Raum und Zeit

Symbolische Kommunikation und politische Kultur in der Habsburgermonarchie im 17. und 18. Jahrhundert


Das Habilitationsvorhaben untersucht die Funktionsweise von Landtagen und ständischen Zusammenkünften in sieben Ländern der Habsburgermonarchie. Als wichtige Instrumente der Konsensbildung, der politischen Kommunikation und der administrativen Verdichtung blieben ständische Landtage bis 1848 Bestandteile der politischen Kultur des Habsburgerreiches. Ihr Bild ist jedoch weitgehend bestimmt durch den in der älteren Forschung praktizierten Bezug auf moderne parlamentarische Repräsentationsformen. Für die Periode nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden sie zudem meist als bedeutungslose Institutionen missverstanden und von der Betrachtung ausgeschlossen. Um die Rolle der Landtage als Mechanismen der Konsensbildung sowie Schauplätze ständischer Distinktion im zusammengesetzten habsburgischen Fürstenstaat klarer konturieren zu können, versucht das Vorhaben, ihre räumlichen und zeitlichen Dimensionen auszuloten.

Untersucht werden zum einen Sitzungs- und Verhandlungsräume, in denen die Stände sich zu Beratungen trafen. Obwohl über ständische Landhäuser oft bauhistorische Studien vorliegen, ist über die Verwendungsgeschichte der jeweiligen Versammlungsräume bislang wenig bekannt.  Das Vorhaben erschließt anhand bislang kaum berücksichtigter Quellen die Ausstattung, Verzierung, Aufteilung und Nutzung der „Landstuben“ (Landtagssäle), ihre räumlichen Kontexte sowie ihre symbolische Dimension. Diese manifestierte sich einerseits in zeremoniellen Abläufen und Distinktionsmechanismen, andererseits in Sessions- und Rangstreitigkeiten. Zum anderen wird der zeitlichen Dimension der Landtage nachgegangen. Analysiert werden einerseits das Entscheidungsverfahren vor Ort, andererseits Verhandlungen zwischen den Landtagen und dem Herrschaftszentrum. Der Wandel der Landtage von Ad-hoc-Ereignissen zu laufend oder regelmäßig tagenden Gremien, spiegelt, so die These, die fortschreitende Verflechtung der ständischen mit der landesfürstlichen Verwaltung im habsburgischen Fiscal-Military State der Frühen Neuzeit wider.