Einkommen, Management und ökonomisches Denken (IMET)

Adeliges Unternehmertum in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts


Barocke Schlossbauten, repräsentativer Luxuskonsum und Verschwendungssucht sind gängige Attribute, die die Geschichtsschreibung dem Adel als herrschende Schicht in der frühen Neuzeit attestiert. Die Forschungslandschaft zu adeligen Eliten in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts ist nach wie vor weitgehend von diesen Themen und Topoi geprägt.

Dieses Forschungsprojekt, vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) als Elise-Richter-Stelle gefördert, untersucht hingegen den Adel der Habsburgermonarchie nicht ausgabenseitig, sondern einnahmeseitig als treibende Kraft für wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum im 18. Jahrhundert. Dabei sollen sowohl die adelige Familie selbst als auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigt werden. Als privilegierte Schicht besaß der Adel das dafür notwendige Kapital, die Infrastruktur und den Zugang zu Humanressourcen, um breit in Landwirtschaft, Industrie, Technologie und Banken zu investieren. Da adeliges Familieneinkommen und -Strategien sich im 18. Jahrhundert vielfältig veränderten und traditionelle Betätigungsfelder wie der Militärdienst als Einkommensquelle abhanden kamen, verfolgt das Projekt drei Forschungsfragen:


  • Familienstrategien in Langzeitperspektive mit dem Ziel von Einkommenssteigerung und Risikomanagement
  • Innovationen und Managementstrategien in Landwirtschaft, Güterverwaltung, Industrie, Banken und Kapitalgesellschaften zur Erforschung der Marktorientierung von adeligem Wirtschaften
  • Aus- und Weiterbildungswege des Adels als Voraussetzung für eine zunehmende Professionalisierung wirtschaftlichen Handelns im Zeitalter der Aufklärung

 


Das IMET Projekt ist als qualitative Studie angelegt. Ausgesuchte Familien aus unterschiedlichen Regionen der Habsburgermonarchie dienen als Untersuchungsgegenstand. Als Quellenmaterial stehen besonders die Hauptkassabücher der einzelnen Familien, Geschäftskorrespondenz, Instruktionen, aber auch Reisetagebücher und andere Ego-Dokumente im besonderen Interesse. Mit unterschiedlichen Familienarchiven aus den Österreichischen Niederlanden, den Österreichisch-Böhmischen Kernlanden und Kärnten wird ein repräsentatives Sample an wirtschaftlich starken oder fortschrittlichen Räumen der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts zusammengestellt, das unterschiedliche Branchen wie Textilindustrie, Bergbau, Handel und Bankenwesen berücksichtigt. Der Vergleich dieser Familien mit anderen Fallbeispielen, zu denen bereits Literatur vorliegt, wird ein breiteres Verständnis von „noble Entrepreneurship“ erlauben und das Bild der Habsburgermonarchie im Hinblick auf Innovationen und Vernetzung schärfen.


Drittmittelfinanzierung:

Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF): Projektnummer V 704-G28
Elise-Richter-Programm (Karriereentwicklungsprogramm für hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen)

 

 

Projektlaufzeit:

2019–2025