Flüchtlinge in Österreich in historischer Perspektive


Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die geografische und zeitliche Breite historischer Flüchtlingskrisen in Österreich aufzuzeigen. Schutzsuchende erreichten Österreich nicht nur aus dem Osten, wie etwa die Kommunismusflüchtlinge, sondern auch aus dem Süden wie beispielsweise während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren; sie konnten aber auch aus Westeuropa kommen, wie jene, die vor den Umwälzungen der Französischen Revolution flohen. Der zeitliche Rahmen ist breit angelegt und umfasst die letzten dreihundert Jahre, beginnend mit den Flüchtlingen aus dem Osmanischen Reich im 18. Jahrhundert bis hin zu den Bosnienflüchtlingen vor 25 Jahren. Folglich umfasst das Forschungsvorhaben sowohl die heutige Republik Österreich als auch die Habsburgermonarchie. Zwar stehen diese beiden Staaten nicht in einer direkten Analogie zueinander, und in Flüchtlingskrisen vor 1918 waren nicht immer Gebiete des heutigen Österreichs „physisch“ betroffen. Dennoch gab es auch in jenen Fällen eine zentralstaatliche Politik und Haltung, die nun mal in Wien gemacht wurde.

Es lassen sich trotz aller Veränderungen über die Zeit drei Kontinuitäten skizzieren: 1) ein ethischer Impetus, Flüchtlingen auf Grund der mit Flucht einhergehenden sozio-ökonomischen Zerrüttung individuell oder mittels Hilfsorganisationen zu unterstützen; 2) die Bedeutung des Staats für die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, die erst die Voraussetzungen für einen rechtlichen und wirtschaftlichen Neubeginn für die Geflüchteten schaffen kann; 3) eine wankelmütige öffentliche Meinung, die sich mit dem Thema auseinandersetzte und entsprechende Verhaltensmuster zeigte.

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Publikation: Kuzmany, Börries / Garstenauer, Rita (Hg.): Aufnahmeland Österreich. Über den Umgang mit Massenflucht seit dem 18. Jahrhundert (Wien, Mandelbaum 2017).