Wissensformen und Institutionen in der Vormoderne

Vergemeinschaftung und Institutionenbildung im Übergang zur Moderne: Prozesse, Praktiken, Akteure


Im Rahmen dieses Arbeitsschwerpunkts werden Prozesse, die in der bisherigen Forschung unter den Leitbegriffen von Nations- und Staatsbildungsprozessen zumeist stark verengend behandelt wurden, in historisch-genealogischen Zusammenhängen konzeptionell prägnant gefasst. Einem weiten institutionsgeschichtlichen Ansatz folgend, der kulturwissenschaftlich angereichert mehr als nur staatliche Instanzen berücksichtigt, werden Prozeduren der Verschriftlichung, Verrechtlichung, Verdichtung oder Normierung in den Blick genommen. Ziel ist es, einen umfassenden Langzeitschwerpunkt zur Erforschung der Sattelzeit in Südosteuropa zu etablieren mit vorläufigem Fokus auf Recht und Verwaltung – jenen Bereichen, in denen die angesprochenen Prozesse besonders greifbar zusammenlaufen.

Vergleichende Historiographiegeschichte des vormodernen Südosteuropa


In keiner anderen europäischen Region koexistieren islamische, orthodoxe, katholische und jüdische Traditionen in vergleichbarer Weise über eine derart lange Zeit. Ungeachtet dieses oft wiederholten Befunds fehlt es jedoch weiterhin an Zugängen, die es erlauben, die Vielfalt der in einem Raum praktizierten Formen von Geschichtsschreibung in einem angemessenen Deutungsrahmen zu berücksichtigen. Die Geschichtsschreibung im frühneuzeitlichen Südosteuropa von dieser Heterogenität her zu denken ist das Ziel dieses Arbeitsschwerpunkts. Aktuell steht die Konzipierung eines Quellen- und Studienhandbuchs zur Geschichtsschreibung im vormodernen Südosteuropa im Vordergrund.