Balkanforschung


Sveti Jovan Kaneo, 2006 (c) Robert Pichler

Der Balkanraum und Österreich sind seit Jahrhunderten eng miteinander verflochten. So ist Wien noch heute ein wichtiger kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bezugsort der Gesellschaften des Balkans. Über lange Zeit hinweg als ein politisches Zentrum für die Region fungierend, war Wien nicht zuletzt auch ein Entstehungsort der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Balkanraum.

Die seit Mitte 2017 bestehende Balkanforschung innerhalb des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW versteht sich im Kontext dieser vielfältigen Verflechtungen, deren kritische Erforschung eine ihrer Aufgaben ist.

Der multidisziplinär aufgestellte Forschungsbereich verfolgt dabei den Ansatz, den Balkan als Verdichtungsraum soziokultureller Prozesse der langen Dauer in einem europäischen sowie mediterranen Kontext zu begreifen, ohne dabei die symbolische Dimension räumlicher Ordnungseinheiten unreflektiert zu belassen. Dem Interesse an strukturierenden Faktoren gemäß werden Grundfragen der Geschichte und Kultur des Raumes epochenübergreifend bearbeitet, flankiert von grundlagenwissenschaftlichen Vorhaben, die der Erschließung und Sicherung des kulturellen Erbes dienen.

In methodischer Hinsicht sieht sich der Arbeitsbereich dem Prinzip einer theoriegeleiteten Grundlagenforschung verpflichtet. So sollen durch empirische Grundlagenarbeit ebenso wie durch die kontinuierliche Hinterfragung von Methoden und Konzepten neue, die Forschung weiterführende Impulse gesetzt werden. Drei Leitlinien sind hierfür maßgeblich: der kreative interdisziplinäre und internationale Austausch, die Bündelung der zur Beschäftigung mit dem historischen Balkan unerlässlichen philologischen Kompetenzen sowie ein Zugang zur Region, der diese nicht als einen geschlossenen Container, sondern in ihren variierenden west- und mitteleuropäischen, mediterranen und pontisch-osteuropäischen Bezügen betrachtet.

Die zentralen Schwerpunkte des Forschungsbereichs liegen in den Gebieten Sprache und Siedlungsgeschichte, Wissensformen und Institutionen in der Vormoderne, Mobilität und Visualisierung.