Polen-Litauen in der Frühen Neuzeit. Das unions- und staatsbildende Potenzial eines mitteleuropäischen Reiches

Polen-Litauen (polnisch-litauische Republik, polnisch Rzeczpospolita) wird mitunter als verfassungsrechtliche Besonderheit wahrgenommen - als Adelsrepublik und als Doppelstaat der „beiden (politischen) Nationen“, Polen und Litauer, gleichermaßen. Unabhängig von der ethnisch und konfessionell komplexen Struktur des gesamten Landes, in dem auch andere Ethnien (Juden, Deutsche, Ruthenen, Armenier und andere) sowie unterschiedliche Konfessionen (u.a. Katholiken, Protestanten, Orthodoxen, Unierten) lebten, bestand Polen-Litauen verfassungsrechtlich aus zwei Hauptelementen, die de facto eine Doppelstruktur bildeten.

Man darf jedoch zum einen nicht vergessen, dass die höchst komplexe Entwicklung der polnisch-litauischen Union etwa 200 Jahre andauerte, bevor sie schlussendlich durch die Union in Lublin (1569) abgeschlossen wurde. Zum anderen blieb die Struktur des Landes trotz deren weit vorangeschrittenen Unifizierung immer noch reichlich kompliziert. So wies sie zahlreiche Besonderheiten und Elemente auf, die der Wahrnehmung der polnisch-litauischen Republik als „reine Doppelstruktur“ entgegenstehen (wie z.B. Preußen, Livland, zeitweilig auch Moldau).

 

Vortrag von Prof. Dr. Bogusław Dybaś (Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien) im Rahmen des 11. Forschungsforums des INZ.