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Taugen Nationalbiographien für die Forschung? Ein Schweiz-österreichischer Vergleich

Über den wissenschaftlichen Charakter einer Biographie sind die Ansichten der Historiker geteilt und lange Zeit galt die Biographie als überholte Form der Geschichtsschreibung. Die Frage, ob Biographien ein Teil der Geschichtswissenschaft sind oder einen selbstständigen Platz in der geisteswissenschaftlichen Forschung einnehmen wurde und wird ebenfalls oft diskutiert. Ist die Biographie nun als allgemeingültige Lösung einer wissenschaftlichen Aufgabe möglich und zulässig?

In jüngerer Zeit erlebt die biographische Forschung eine Konjunktur sowohl in historischen Disziplinen, als auch in der Literaturwissenschaft ebenso wie in der Wissenschaftsgeschichte. Die neue biographische Forschung betrachtet die untersuchten Personen als wichtige Repräsentanten der Gesellschaft und gesellschaftlicher Strukturen, als Teil der historischen Lebenswelt. Die Einbettung des Biografierten in soziale, kulturelle und politische Zusammenhänge macht die innovative Dimension der heutigen Biographik aus. Biographische Forschung impliziert somit immer mehr die Analyse von Lebenszusammenhängen.

Anhand eines Vergleichs zwischen dem Österreichischen Biographischen Lexikon und dem Historischen Lexikon der Schweiz soll dieTauglichkeit von Nationalbiographien für die wissenschaftliche Forschung untersucht werden, ebenso wie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und der Schweiz in Hinblick auf die Entwicklung einer „bürgerlichen Gesellschaft“.

 

Vortrag von Dr. Daniela Angetter (Mitarbeiterin am Forschungsbereich Österreichisches Biographisches Lexikon) im Rahmen des 9. Forschungsforums des INZ