Afrika und seine Rolle in einer Paradigmen wechselnden Globalgeschichte

Perspektiven aus dem Institut für Afrikawissenschaften an der Universität Wien

Eine historisch und gesellschaft interessierte Öffentlichkeit, wissbegierige Studierende und zahlreiche Kollegen aus nicht afrikawissenschaftlich ausgerichteten Disziplinen tragen an die historisch arbeitenden Afrikawissenschaften immer wieder die Frage heran, was genau denn unser Arbeitsfeld sei und inwieweit wir über Möglichkeiten verfügen, zum allgemeinen Erkenntnisgewinn in Bezug auf ein komplexes Weltgeschehen beizutragen. Der Vortrag sucht die Auseinandersetzung mit diesem Interesse. In gegebener Kürze sollen so grobe Themen wie Afrika als Wiege der Menschheit, als Teil einer frühneuzeitlichen atlantischen Ökonomie, als Ort von Kolonialismus und Szenerie eines in der jüngeren Zeit vieldiskutierten Staatsversagens gestreift werden. Um die Relevanz der Geschichte Afrikas für eine Paradigmen wechselnde Globalgeschichte herauszukehren, werde ich für die Bedeutung langzeithistorischer Betrachtugen plädieren. Gleichsam werde ich wider die Reduzierung afrikanischer Geschichte auf das Globale argumentieren, indem ich – auch anhand verschiedener am Institut für Afrikawissenschaften verfolgter Untersuchungsfelder – zeige, dass Afrikas Rolle im Globalen produktiv erst unter der gleichzeitigen Berücksichtung lokaler und regionaler Geschichtsdynamiken dargestellt werden kann. Denn auf dieser Ebene findet das so entscheidende konzeptionelle Umdenken statt, jene Voraussetzung für eine Globalgeschichte, die neue Perspektiven sucht und offen für die Möglichkeit ist, Afrika nicht allein als Geschichte und Gesellschaft von Defiziten zu verstehen.

 

Vortrag von Frau Prof. Dr. Kirsten Rüther (Professorin für Geschichte und Gesellschaften Afrikas und Institutsvorständin des Instituts für Afrikawissenschaften der Universität Wien) im Rahmen des 10. Forschungsforums des INZ.