12. Oktober 2018 – 14. Oktober 2018

200 Jahre vor Luther: Eine deutsche Bibelübersetzung aus Österreich

Ein Workshop des interakademischen Vorhabens der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften geht in Zusammenarbeit mit der Abteilung Schrift- und Buchwesen des Instituts für Mittelalterforschung den Quellen und der Überlieferung sowie der Arbeitsweise und der Rezeption des Österreichischen Bibelübersetzers des 14. Jahrhunderts nach.

Die Bibelübersetzung eines österreichischen Anonymus aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts ist außerhalb der germanistischen Spezialforschung bisher kaum bekannt. Ein gemeinsames Projekt der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg (Projektleiter: Prof. Dr. Freimut Löser, Prof. Dr. Martin Schubert, Prof. Dr. Jens Haustein) hat sich zum Ziel gesetzt, das umfangreiche Werk dieses mit dem Notnamen "Österreichischer Bibelübersetzer" (Freimut Löser/Christine Stöllinger-Löser) versehenen Anonymus zu edieren und zu erforschen.

Mit der Übersetzung, die durch ihre sprachliche Gewandtheit besticht, geht auch eine Auslegung der Bibel einher, für die der Anonymus u.a. das neueste lateinische Fachschrifttum benutzte. Das Werk ist überdies ein außergewöhnliches Zeitdokument, denn über die Bibelkommentare lässt sich Kritik an zeitgenössischem Ketzertum nachvollziehen.

Als Projektpartner eingebunden ist die Abteilung Schrift- und Buchwesen des Instituts für Mittelalterforschung, die das Vorhaben besonders im Bereich der Erforschung der hauptsächlich in Österreich liegenden Überlieferung, der Kodikologie und der Handschriftendigitalisierung unterstützt.