Prediger und Publikum - Predigten im frühen Mittelalter


Im Zentrum dieses Projekts stehen Predigtsammlungen im Frühmittelalter und ihre unterschiedlichen Entstehungskontexte, ihre sozialen, moralischen und theologischen Aspekte sowie die Rolle, die sie dadurch für die Bildung von Gemeinschaft haben konnten. Ein Schwerpunkt liegt auf Texten aus der Karolingerzeit, wobei homiletische und exegetische Texte der Spätantike, besonders jene der Kirchenväter, hier einen wichtigen Platz einnehmen, da sie im Laufe des Frühmittelalters immer wieder in unterschiedlichsten Konstellationen in Predigtsammlungen zusammengestellt, mit anderen Texten kompiliert und zu neuen Texten verarbeitet wurden. Die Bibel und ihre Interpretationen boten für die meist unbekannten Kompilatoren und Kopisten von Predigthandschriften reiche Ressourcen für ihre Schriften, durch die sie anderen Predigern ein Instrumentarium zur Verfügung stellten, um ihr jeweiliges Publikum als christliche Gemeinde zu belehren, aufzubauen und zu lenken.

Ein Beispiel, das hier näher untersucht wird, ist der karolingische Abt und Erzbischof Hrabanus Maurus, der im Laufe seines Lebens neben einer Reihe exegetischer Kommentare und theologischer Schriften auch zwei Predigtsammlungen zusammengestellt hat.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Predigtsammlung des sog. Eusebius Gallicanus aus dem Ende des 5. Jahrhunderts, wobei hier besonders die Predigten auf Heilige, die für bestimmte Städte eine besondere Rolle spielten, und ihre Funktion für die lokalen christlichen Gemeinden untersucht werden.