Lombard Law Books in the Long Eleventh Century


Das Interesse an langobardischen Gesetzbüchern, das bei ihren Herstellern und Benutzern im gesamten 11. Jahrhundert zu beobachten ist, zeigt ihre anhaltende Bedeutung für historische und rechtliche Fragestellungen weit über das Ende der langobardischen Herrschaft (568-774 n.Chr.) hinaus. Das Forschungsvorhaben zielte darauf ab, die historische Entwicklung der frühmittelalterlichen langobardischen Gesetze mit den Schreiberpraktiken und der Buchproduktion im langen 11. Jahrhundert zu verbinden.

Im Zentrum des Projekts stand die Entwicklung des sogenannten Liber legis Langobardorum. Diese Sammlung von langobardischen, fränkischen und sächsischen Rechtstexten wurde in ihren acht erhaltenen Handschriften untersucht. Durch die Untersuchung der Materialität, der Mise-en-page(der Präsentation der Texte und anderer Elemente auf der Buchseite) und der verschiedenen Adaptionen der Gesetze wurden die sozialen Rahmenbedingungen und das Rechtsverständnis der Schreiber und Leser der Gesetzbücher ausgelotet. Dafür wurden Methoden, die in der Sozialgeschichte und in der vergleichenden Rechtsgeschichte entwickelt wurden, mit jenen der Kodikologie und Paläographie kombiniert.

Nach der kodikologischen und paläographischen Analyse der Handschriften und einer vergleichenden Untersuchung des Corpus wurden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Mise-en-page und der Strategien, die dem Leser den Zugang zu den Gesetzen erleichtern sollten, durch gezielte Fallstudien erweitert und ergänzt. In der ersten Fallstudie wurden die Gesetze des Liutprand untersucht, die während seiner Regierungszeit von 712 bis 740 n.Chr. in mehreren Phasen promulgiert wurden. Die zweite Fallstudie war der Analyse der Kapitularien gewidmet, die von Karl dem Großen für Italien ausgestellt und bei der Kompilation des Liber legis Langobardorum in die Sammlung integriert wurden.

Ziel des Projektes war es, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Rechtsgelehrten im 11. Jahrhundert Bücher und Texte heranzogen, um die langobardischen, fränkischen und sächsischen Gesetze zu studieren und neu zu definieren, und welchen Einfluss dies auf die Schrift- und Rechtskulturen Italiens und Nordwesteuropas hatte.