Henrike Ribbe (Jena): „Brot in einer brotlosen Stadt“. Von der unmöglichen Gabe der Szene eines ‚einzigen Essens‘ in Ingeborg Bachmanns ›Wüstenbuch‹
doi: 10.1553/spk56_s49
This essay examines a scene from Ingeborg Bachmann’s ›Wüstenbuch‹ drafts (1964/65), set in the Nubian border town of Wadi Halfa. It is based on the hypothesis that this scene of a ‘unique meal’, though imbued with great critical potential, was not included in subsequent drafts because of an inherent issue of representation. In order to profile the internal limits of representation, Jacques Derrida’s concept of the ‘impossible gift’ beyond economic calculation is considered and, for its part, elucidated based on the literary scene.
Der Beitrag analysiert eine Szene aus Ingeborg Bachmanns ›Wüstenbuch‹-Entwürfen (1964/65), deren Schauplatz die nubische Grenzstadt Wadi Halfa ist. Ausgangspunkt bildet die These, dass diese Szene eines ‚einzigen Essens‘ aufgrund eines inneren Darstellungsproblems nicht in die folgenden Entwurfsstufen aufgenommen wurde, aber ein besonderes kritisches Potential bereit-hält. Um die textimmanenten Grenzen der Darstellbarkeit zu profilieren, wird die Denkfigur der ‚unmöglichen Gabe‘ jenseits ökonomischen Kalküls von Jacques Derrida herangezogen und an der literarischen Szene ihrerseits illustriert.