Donnerstag, 05. Juli 2018, 16:30

Wohnzimmer, Garten, Sportplatz und Schule.

Jüdische Alltags- und Privatfotografie 1890 bis 1960, Vortrag von Sylvia Necker (University of Nottingham), am 5. Juli 2018

Was erzählen uns Fotografien von Wohnzimmern und Ausflügen in die Alpen? Und weshalb soll es spannend sein, sich „jüdische" Alltags- und Privatfotografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anzuschauen? Nach einem kurzen Werkstattbericht aus dem Projekt „German-Jewish Family Albums and the Narration of Identities from imperial Germany to the post-war years“, das als Teil eines größeren Verbundprojekts zur Photographiegeschichte an der Universität Nottingham angesiedelt ist, sollen vor allem methodische Fragen des Projekts diskutiert werden: Wie gehen wir als Forscher_innen mit disperaten Quellenbeständen wie der Privatfotografie um? Wie lassen sich Narrationen von Fotoalben entschlüsseln? Wieviel Kontextinformation ist wichtig, um den Konstruktionscharakter von Fotografien als zeitgeschichtliche Quelle zu lesen und welche ikonografischen Entwicklungen stecken in Alltags- und Privatfotografien? Am Beispiel erster Einblicke in die gerade entstehende Materialsammlung zum Projekt sollen diese Fragen aus möglichst vielen disziplinären Perspektiven diskutiert werden.

Dr. Sylvia Necker, Historikerin, Kuratorin und Klangwerkerin ist seit Januar 2018 Research Fellow im Verbundprojekt „Photography as Political Practice in National Socialism“ an der Universität Nottingham. Zuletzt war sie als Kuratorin an der Neugestaltung der Dauerausstellung in der Dokumentation Obersalzberg beteiligt (betreut durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, 2014-2017). Mit einer Arbeit zur Architekturgeschichte Hamburgs 2010 an der Universität Hamburg promoviert, bilden ihre Forschungsschwerpunkte seither Architektur- und Zeitgeschichte, Geschichte des Nationalsozialismus, Stadtforschung, Kunst- und Kulturgeschichte sowie Jüdische Geschichte. Als Klangwerkerin realisiert sie Soundscapes, Hörstücke und Kompositionen für Museumsräume und Theater, zuletzt für die Inszenierung „Gisela Elsner: Heilig Blut“ (2018) in Frankfurt am Main.