Mythos Prinz Eugen

Narration und Performativität eines Gedächtnisortes

© Klaus Pichler/ÖAW

Theater funktioniert als Medium der Repräsentation im Wesentlichen dadurch, daß es kollektive Erinnerung speichert, anreichert und in der Inszenierung aktualisiert. Als „Marginalisierter“ (Robert E. Park) hatte Prinz Eugen bereits zu Lebzeiten sein Gedächtnis (in Archiven, Tapisserien, Plastiken etc.) umfassend präfiguriert. Erinnerungsstrategisch konnten Akteure in den nachfolgenden Jahrhunderten darauf rekurrieren und segmentiv (Türkensieger – Barocker Fürst – Mäzen der Kunst und Wissenschaft – Europäer – Humanist) über die verschiedenen Medien der Erinnerung „nationales Gedächtnis“ konstituieren.


Durch die Melodie des Liedes „Prinz Eugen, der edle Ritter“, aber auch durch das Denkmal am Heldenplatz  sowie als Protagonist der Bühne war Prinz Eugen im kollektiven Bewußtsein kontinuierlich präsent. Besonders in Krisenzeiten, in denen Österreich seine Identität reflektierte, wurde Prinz Eugen als Bühnenfigur, als Identitätsangebot an das Publikum, unter immer neuen, so genannten Brandings vorgestellt, die bestimmte Elemente dieser Erinnerung aber auch ausblendeten (Leerstellen). Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts verfaßten einschlägigen Theater-Texte und Aufführungen werden erstmals zusammenhängend in ein sozio-kulturelles Umfeld eingeordnet.