Italienische Oper in deutscher Übersetzung (ca. 1600–ca. 1750)


Opernlibretti sind vielleicht die größte Herausforderung in der Übersetzung, insbesondere im Vergleich mit anderen Textgattungen wie etwa Romanen, Gedichten oder Theaterstücken. Denn die ÜbersetzerInnen müssen mit unterschiedlichen und miteinander im Konflikt stehenden Aspekten des Ausgangstextes umgehen und dabei Kompromisse eingehen. Dementsprechend sind Libretto-Übersetzungen seit dem frühen 20. Jahrhundert Gegenstand zahlreicher musikwissenschaftlicher sowie fachübergreifender Studien. Die bisherige Forschung hat allerdings die Übersetzungen vom Italienischen ins Deutsche vor 1750 wenig berücksichtigt, ungeachtet ihrer großen Bedeutung für die Konstruktion des deutschsprachigen Repertoires seit dem Anfang der deutschen Oper.
Im Fokus stehen unterschiedliche Arten der Opernübersetzung vom Italienischen ins Deutsche: Leselibretti, singbare Übersetzungen, tatsächliche Umschreibungen, die den originalen Text nicht nur übersetzen, sondern weitgehend verändern. Dabei sind verschiedene Ebenen der Übersetzungen in Betracht zu ziehen, die nicht nur sprachliche Elemente (Versmaße, Akzente, Beziehung Text-Musik, idiomatische Ausdrücke), sondern auch dramaturgische und kulturelle betreffen, wie etwa die Hinzufügung, Streichung oder Veränderung ganzer Szenen und Figuren und die Modifikation von Witzen und politischer Satire, die ans Zielpublikum angepasst werden.

Publikationen: Livio Marcaletti