„Musikland Österreich“

Ein identitätspolitischer Topos, seine Geschichte und seine Funktionen

© IKT/Peter Stachel

Österreich wird sowohl in der Selbstdarstellung als auch in der Außenwahrnehmung als „Musikland“ aufgefasst. Ein Image, das sich zwar auf ein Fundament in der Realität stützt – etwa auf die Bedeutung der Wiener Klassik für die abendländische Musikkultur – aber auch auf identitätspolitischen Konstruktionsleistungen beruht. Insbesondere in fundamentalen Krisenzeiten, wie etwa nach dem Zerfall der Donaumonarchie 1918 oder nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945, wurde der Topos „Musikland Österreich“ mit unterschiedlicher inhaltlicher Aufladung zum Aufbau und zur Stabilisierung einer positiv besetzten „Österreichidentität“ eingesetzt. Ökonomische Überlegungen spielten dabei beinahe von Anfang an eine bedeutende Rolle, mittlerweile scheinen sie dominant zu sein (Tourismus).


Ihre mediale Umsetzung fand diese Form von Identitätspolitik in der Heroisierung einzelner Komponisten, in diversen Ausstellungen, Festen, Denkmalerrichtungen, später auch in Filmen, jährlichen Konzerten populärer klassischer Musik (z.B. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, Sommerkonzert in Schönbrunn, Christmas in Vienna etc.) etc. Von Bedeutung ist nicht zuletzt auch die Festsetzung eines „Kanons“ relevanter Komponisten und damit die Frage, welche Komponisten dem Topos „Musikland Österreich“ zugerechnet werden und welche aus welchen Gründen nicht.


Publikationen: Peter Stachel