Heldendenkmal

Das Österreichische Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg.
Dokumentation und Analyse staatlicher Gedenkkultur

Blick von der Neuen Hofburg auf das Äussere Burgtor, um 1935. © Fotosammlung Heeresgeschichtliches Museum


Eine umfassende Publikation zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Äußeren Burgtores, ab September 1934 zum „Österreichischen Heldendenkmal“ umgewandelt, sowie den damit verbundenen staatlichen und militärischen Ritualen von 1824 bis in die Gegenwart wird unter der Herausgeberschaft von Dieter A. Binder, Richard Hufschmied und Heidemarie Uhl im Winter 2017/2018 im Auftrag des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport erscheinen.

Das Heldendenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, eröffnet 1934, war ein Prestigeprojekt der Ständestaat-Diktatur. Nach 1945 wurde die Krypta im rechten Flügel  des Burgtors auch den gefallenen Wehrmachtssoldaten des Zweiten Weltkriegs gewidmet. 1965 wurde im linken Flügel der Weiheraum für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus eingerichtet. Mit diesen antagonistischen Gedenkstätten symbolisiert das Heldendenkmal der Republik die Widersprüche des offiziellen Österreich im Umgang mit Nationalsozialismus, Holocaust und Krieg. Seit 2012 befindet sich dieser zentrale Ort staatlicher Erinnerungskultur  in einem Prozess der Neudefinition. Auf Basis dieser kritischen Selbstreflexion wurde  2014 das Projekt Neugestaltung des Österreichischen Heldendenkmals gestartet.

Österreichisches Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg


Das Österreichische Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg ist die einzige staatliche Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege und für die Opfer des Nationalsozialismus.

Krypta und Weiheraum stehen im Zentrum der offiziellen staatlichen Gedenkkultur der Republik Österreich. Dies zeigen die Kranzniederlegungen von Bundespräsident, Bundesregierung und Österreichischem Bundesheer in beiden Gedenkräumen am Nationalfeiertag (26. Oktober) und zu Allerseelen (2. November), im Weiheraum am 27. April, dem Tag der Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs 1945.

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Seit 2013 findet am 12. März eine Gedenkveranstaltung im Weiheraum statt. Am 8. Mai stellt das Bundesheer eine Mahnwache am Eingang von Krypta und Weiheraum.

Der Weg zu einem neuen Gedenken


17. Juni 2012: Als in den Totenbüchern der Name eines Kriegsverbrechers nachgewiesen wurde, reagierte das Verteidigungsministerium mit einer symbolischen Streichung des Namens. Um Raum für die Neugestaltung zu schaffen, wurden sämtliche Artefakte entfernt.

Am 18. Juli 2012 erfolgte die Hebung der Skulptur des "Toten Kriegers". Darunter wurden zwei handschriftliche Botschaften in einer Metallhülse gefunden. Bildhauer Wilhelm Frass, illegaler Nationalsozialist, legte ein Zeugnis seiner politischen Haltung ab. Sein Mitarbeiter Alfons Riedel wollte der Nachwelt einen pazifistischen Gegenentwurf übermitteln.

26. Oktober 2012: Seit diesem Nationalfeiertag vollzieht sich die Gedenkfeier des Bundespräsidenten und der Bundesregierung in der Krypta vor der Gedenktafel für die im Dienst und Einsatz ums Leben gekommenen Soldaten des Bundesheeres.

12. März 2013:
Anlässlich der 75. Wiederkehr des "Anschlusses" fand erstmals eine Gedenkfeier am Jahrestag des Beginns der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Österreich statt. Verteidigungsminister Gerald Klug und die Führung des Bundesheeres legten einen Kranz im Weiheraum für die Opfer des Nationalsozialismus nieder.

8. Mai 2013: Erstmals wurde der Tag der Niederlage des Nationalsozialismus mit einem Fest der Freude am Heldenplatz begangen. Bundesminister Klug ließ eine Mahnwache vor der Krypta und dem Weiheraum aufstellen.

2014: Beginn der Neugestaltung des Österreichischen Heldendenkmals

Das Äußere Burgtor der Wiener Hofburg


1809: Zerstörung der Burgbastei durch napoleonische Truppen

1821-24:
Errichtung des Äußeren Burgtors nach Plänen von Luigi Cagnola und Pietro Nobile

18. Oktober 1824:
Eröffnung am 11. Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig. Inschriften: "IVSTITIA. REGNORVM. FVNDAMENTVM." (Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrschaft); "FRANCISCVS. I. IMPERATOR. AVSTRIAE. MDCCCXXIV." (Franz I., Kaiser von Österreich 1824)

1916:
Anbringung von mehr als 100 Lorbeerkränzen aus Bronze im Rahmen der patriotischen Spendenaktion "Lorbeer für unsere Helden" sowie der Inschrift "LAVRVM. MILITIBVS. LAVRO. DIGNIS. MDCCCCXVI." (Den Lorbeer jenen, die des Lorbeers würdig sind)

Das Österreichische Heldendenkmal 1934


Juli 1933: Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Gestaltung des Äußeren Burgtors zu einem Österreichischen Heldendenkmal

Februar 1934: Juryentscheidung für das Projekt von Rudolf Wondracek

9. September 1934: Eröffnung und Weihe des Österreichischen Heldendenkmals, bestehend aus zwei zentralen Elementen: Ehrenhalle für die Habsburgische Armee oberhalb der Tordurchfahrt und Krypta für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im rechten Flügel des Burgtors. Die atriumartige, offene Ehrenhalle ist mit Steinschnitten ausgestattet, die militärische Szenen aus der Geschichte der kaiserlichen Armee darstellen. Die Krypta wurde der Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet. Vor dem Altar befindet sich die Figur des "Toten Kriegers" aus rotem Marmor, Bildhauer: Wilhelm Frass. Frass war auch für die Gestaltung der beiden Pylonentore an der Ringstraße und für die acht monumentalen "Heldenköpfe" an den Seitenwänden der zur Ehrenhalle führenden Treppen verantwortlich. Inschriften in der Krypta: "1914 DEN TOTEN DES WELTKRIEGES 1918", nach 1945 ergänzt durch die Jahreszahlen 1939 und 1945; "KAISER KARL / GESTORBEN IN DER VERBANNUNG / AUF MADEIRA / 1. April 1922"; "ERZHERZOG / FRANZ FERDINAND / ERMORDET IN SARAJEVO / 28. JUNI 1914".

In einem Seitenraum der Krypta wurden so genannte Totenbücher mit den Namen der österreichischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges, geordnet nach Bundesländern, ausgestellt.

Das Österreichische Heldendenkmal war ein Prestigeprojekt der Ständestaat-Diktatur und steht ganz im Zeichen einer Geschichtspolitik, die mit Berufung auf die Tradition und Geschichte der Habsburgermonarchie eine katholisch-konservative Österreich-Identität schaffen wollte.

Mit dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 wurde das Heldendenkmal zu einem Ort nationalsozialistischer Gedenkrituale.

Das Heldendenkmal nach 1945


Wenige Jahre nach Kriegsende wurde die Tradition des Gefallenengedenkens wieder aufgenommen. Seit 1950 sind Gottesdienste in der Krypta nachweisbar, ab 1951 fanden Gedenkfeiern der Veteranenverbände statt. Nach Abschluss des Staatsvertrages führte die neu aufgestellte bewaffnete Macht der Republik am 2. November 1955 erstmals eine Gedenk­feier in der Krypta durch. In den neu angelegten Totenbüchern für den Zweiten Weltkrieg wurden die Namen der gefallenen Österreicher verzeichnet.

Das Gefallenengedenken im Heldendenkmal steht im Kontext einer gesamtösterreichischen Entwicklung. Seit Beginn der 1950er-Jahre wurden in ganz Österreich Kriegerdenkmälern für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges neu errichtet oder Denkmäler des Ersten Weltkrieges erweitert.

Die Gefallenen der Jahre 1939 bis 1945 werden nun nicht mehr nur als Opfer des Krieges, sondern auch als "Helden der Heimat" geehrt. Im Gegensatz dazu hatte es in der Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 noch geheißen, dass das österreichische Volk 1939 "in einen sinn- und aussichtslosen Eroberungskrieg geführt" worden war, der "viele Hunderttausende der Söhne unseres Landes [...] bedenkenlos hingeopfert hat."

 

Weiheraum für den österreichischen Widerstand 1965


Gardisten im Weiheraum für den österreichischen Widerstand. Gardisten im Weiheraum für den österreichischen Widerstand.

Am 27. April 1965, 20 Jahre nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, wurde im linken Flügel des Äußeren Burgtors der Weiheraum für die Opfer des österreichischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus eröffnet (Architekt: Robert Kramreiter).

Der schwarze Marmorblock mit dem Staatswappen auf der Oberseite trägt die Inschrift "IM GEDENKEN AN DIE / OPFER IM KAMPFE / FÜR ÖSTERREICHS FREIHEIT".

Gedenktafel für Soldaten des Bundesheeres in der Krypta 2002


2002 erfolgte die Anbringung einer Gedenktafel mit der Inschrift "SEINEN IM DIENST UND EINSATZ VERUNGLÜCKTEN, / VERSTORBENEN UND GEFALLENEN SOLDATEN / DAS ÖSTERREICHISCHE BUNDESHEER". Über dem Eingang zur Krypta wurde zudem die Inschrift "IN ERFÜLLUNG IHRES AUFTRAGES LIESSEN SIE IHR LEBEN" angebracht. Diese Tafel wurde vor dem Nationalfeiertag 2015 nach Außen, rechts vom Eingang in die Krypta, versetzt, sodass ab dem 26. Oktober 2015 stattliche Erinnerungsakte davor stattfinden.

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