Romipen

Im ÖAW DOC-team shifting romipen wurden zwischen 2011 und 2013 die Herstellung und die Dynamiken von ‚Ethnizität’ im Kontext zentraleuropäischer Migrationen von Roma und Romnija von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart untersucht. Das Projekt baute auf unterschiedlichen Herangehensweisen auf: Analysiert wurden Selbst- und Fremdpositionierungen von Personen, die für sich eine Zugehörigkeit zur Romani Community in Anspruch nehmen, öffentlich-mediale Images und Narrative über Roma und Romnija in Journalismus, Kunst und Politik mit dem Fokus der Gender/Cultural Studies sowie staatlich-bürokratische bzw. wissenschaftliche Praktiken in historischen Kontexten. Die Forschungsarbeiten fußen insoferne auf einer transdisziplinären Basis, als dabei Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Disziplinen wie Soziologie, Gender Studies, Sozialgeschichte, Kulturanthropologie, Science Studies, Migration Studies, Rassismus- und Ethnizitätsforschung, Cultural Studies etc. herangezogen, und für die jeweiligen Fragestellungen nutzbar gemacht wurden.


Transdisziplinäre Kooperation

Das gemeinsame Ziel aller Annäherungen bestand in einer Analyse jener Kontexte und Prozesse, durch die Romani ‚Ethnizität’ in Migrationen wahrgenommen, definiert und verändert wird. Gefragt wurde danach, welche Sprech- und Handlungsweisen dabei die Darstellung von MigrantInnen als RomNija und umgekehrt prägen. ‚Ethnizität’ wurde als Analysekategorie bearbeitet, die mit unterschiedlichsten Intentionen (etwa in der positiv besetzten Selbstzuschreibung als Romipen, übersetzt „Romatum“) zugeschrieben, selbst in Anspruch genommen oder aber auch verweigert oder entzogen werden kann. Verschiedene Beispiele für Migrationen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart wurden auf diese Dynamiken von Ethnisierung/Rassifizierung hin untersucht. Dabei wurde besonders darauf geachtet, Migrationsprozesse in ihrer Komplexität zu erfassen und über häufig dichotomisierte Interpretationslogiken, wie sie auch in wissenschaftliches Sprechen Eingang gefunden haben, hinauszugehen.

Die Synergien aus den gemeinsamen transdisziplinären Vorarbeiten konnten für die Ausformulierung der jeweiligen Fragestellungen nutzbar gemacht werden.
Dem Team von shifting romipen  war es ein Anliegen, einen Beitrag zu einer differenzierteren Wahrnehmung von Romani Migrationen in einer breiteren wissenschaftlichen aber auch außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit zu leisten.
Auf den folgenden Unterseiten finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen Teilprojekten und die Kontaktadressen der jeweiligen Teammitglieder.

Mag. Stefan Benedik: „Eindrucksvolles Familienleben“? Geschlechterbilder in Migrationen von Rom_nija

Dr. Wolfgang Göderle: ...für die Bedürfnisse von Administration und Wissenschaft. Zensus und Ethnizität: Zur Herstellung von Wissen über soziale Wirklichkeiten im Habsburgerreich zwischen 1848 und 1910

Dr. in Barbara Tiefenbacher: Ausverhandlungen von ethnischen Zugehörigkeiten in migrantischen Romani communities in Österreich


Das Forschungsprojekt wurde am Institut für Geschichte der Universität Graz, dem treffpunkt Sprachen an der Universität Graz und dem Institut für Soziologie der Universität Wien durchgeführt. Es wurde durch das DOC-team-Programm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ermöglicht und von PDin Dr.in Heidemarie Uhl (Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) begleitet.


Publikationen