Programme und Produktionsweisen historischer Forschung an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien von 1847 bis 1902

Das Projekt fragt nach den sozialen, institutionellen, wissenschaftlichen und politischen Voraussetzungen historischer Forschung von der Gründung der Kaiserlichen Akademie im Jahr 1847 bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Diese Frage soll anhand unterschiedlichen Quellenmaterials der Akademie materiell verortet und mit Hilfe aktueller wissenschaftstheoretischer Ansätze methodisch präzisiert werden. Hilfreich erscheint dabei der Begriff des „wissenschaftlichen Feldes“ (Pierre Bourdieu): In diesem Feld ringen die Akteure im steten Dialog um die Festlegung der Spielregeln, unter denen Forschung praktiziert und Wissen permanent produziert wird.


Die Akademie ist nicht als abgegrenzte Einrichtung zu betrachten, soll jedoch durch die Untersuchungen als „Forschungsraum“ Konturen gewinnen. Hierin tauschen die Akteure wissenschaftliche Erfahrungen aus, definieren Standards, verarbeiten neue Herausforderungen, tragen Konflikte aus, entwerfen Projekte und entwickeln Strategien für deren Realisierung. In diesen Aushandlungsprozessen bilden sich Methoden und Techniken der Erfassung, Aufbereitung und Publikation bzw. Edition historischen Materials heraus, von denen sich die Entstehung des Historikerberufes begleitet sieht. Im Zusammenhang mit der Durchsetzung persönlicher, wissenschaftlicher und (macht-)¬politischer Interessen ist zudem nach der Profilierung der Akademie als eine bildungselitäre und identitätsstiftende Institution in einer Phase der Verfestigung der historischen Disziplin zu fragen. Hierdurch soll zur Erforschung der österreichischen Wissenschaftskultur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beigetragen werden, von der auch die gegenwärtige Forschungslandschaft noch geprägt ist.