Kulturalisierung EUropäischer Politik

Das Forschungsprojekt identifiziert EU-Diskurse zur europäischen Integration, die sich an unterschiedlichen Begriffen von Kultur festmachen, und stellt sich die Frage, ob die dargestellten Probleme und Lösungsansätze sich nicht ebenso gut oder besser im Kontext spätkapitalistischer Marktwirtschaft verstehen lassen. Diese Vorgangsweise geht von der These aus, dass relevante Diskurse zu ökonomischen Zusammenhängen und Machtverhältnissen durch Kulturalisierung verdrängt werden; damit wird allerdings nicht ein generelles Primat des Ökonomischen oder die Überdeterminierung aller gesellschaftlichen Konflikte durch den Klassenkonflikt behauptet.


Folgende Diskurse stehen im Mittelpunkt des Projekts:

Kulturalisierte Diskurse zu politischer Einheit:
Hier steht das Hegemoniestreben der Europäischen Union in Diskursen zu kultureller Identität im Vordergrund, die sich traditionell auf nationale Kultur beziehen. Aus der „ökonomisierten“ Sicht des Projekts wird auf die Notwendigkeit der Herausbildung kollektiver kultureller Identität für ein (u.a. ökonomisch) erfolgreiches politisches System fokussiert.

Kulturalisierte Diskurse zu sozio-ökonomischer Ungleichheit:
Dabei geht es insbesondere um kulturalisierte Beschreibungsformen problematischer Folgen von Immigration, wie auch von politischen Lösungsangeboten für diese. Der Gegendiskurs des Projekts deutet diese Probleme ökonomisch und stellt damit die Frage nach dem ökonomischen Nutzen der Betonung von kultureller Diversität statt sozio-ökonomischer Ungleichheit.

Kulturalisierte Diskurse zur Wirtschaftsstruktur:
Hier sollen in erster Linie Diskurse zu den „Cultural and Creative Industries“ in ihren ökonomischen Funktionsweisen betrachtet werden.

Das Projekt wird im Rahmen einer Fellowship am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz begonnen und führt zu einer Monographie.