Kommentierte historisch-kritische Edition: Ernst Freiherr von Feuchtersleben.

Sämtliche Werke und Briefe. Kritische Ausgabe. Text. Apparat. (KFA)
Projektabschnitt KFA Band II: Selbstständige literarisch-philosophische und kritische Schriften

Die kritische Ausgabe sämtlicher Werke und Briefe Ernst Freiherrn von Feuchterslebens (1806–1849) unternimmt es, das Gesamtwerk eines hervorragenden philosophischen Schriftstellers, Kritikers, Aphoristikers, Mediziners und Unterrichtsreformers der österreichischen Vormärzepoche für Forschung und Lehre zugänglich zu machen. Mit der erstmals vollständigen Darbietung des literarischen, pädagogischen und medizinischen Werkes sowie sämtlicher Briefe und Tagebuchblätter in einer nach modernen Editionsprinzipien erarbeiteten Ausgabe wird die nahezu verschollene, 1851–1853 von Friedrich Hebbel in Wien besorgten Ausgabe „sämmtlicher Werke“ ersetzt.

Die Texte werden in ihrer historischen orthographischen Gestalt dargeboten, unter Auswertung ihrer handschriftlichen und gedruckten Überlieferung. Hierzu wurden in umfangreichen Vorarbeiten sämtliche in Journalen und Almanachen verstreuten Erstdrucke nachgewiesen sowie alle verfügbaren Handschriften aus 27 in- und ausländischen Archiven zusammengetragen. Der Kommentar begleitet die edierten Texte mit detaillierten Angaben zur Entstehung/Datierung, Überlieferung, Textvarianten sowie mit eingehenden Erläuterungen. Neben Personen- Wort-, Sach- und Motiverklärungen bilden quellenkritische Erhellungen zahlreicher anonymer Bildungszitate eine besondere Herausforderung.

Eine Sonderstellung innerhalb literaturwissenschaftlicher Editionsvorhaben kommt dem Projekt insofern zu als es gilt, die Schriften in ihrer außergewöhnlich interdisziplinären wie intertextuellen Verflechtung von Literatur, Medizin, Philosophie und Pädagogik aufzuschließen, wie dies durch das vielseitige Wirken Feuchterslebens gefordert ist. Indem der Kommentar die konkret zu edierenden Texte als Teil der komplexen kulturellen Textualität der spannungsreichen österreichischen Vormärzepoche erhellen will, betreibt das Projekt Grundlagenforschung als Erarbeitung eines philologisch gesicherten und dokumentierten Textbestandes einerseits und seiner Vermittlung in den Horizont einer kulturwissenschaftlich erweiterten Epochenforschung.

Die Kritische Feuchtersleben-Ausgabe ist auf einen Umfang von sechs Bänden (mit Teilbänden Text/Apparat) konzipiert.

Projektabschnitt KFA Bd. II: ‚Selbstständige literarische und kritische Schriften‘ (Teil 1. Edition/Teil 2. Kommentar):

Dieser Band umfasst die literarischen Hauptschriften Feuchterslebens: „Zur Diätetik der Seele“ – „Beiträge zur Literatur, Kunst- und Lebens-Theorie“ – „Lebensblätter“. Der Kommentar ist bestrebt, die Werke in ihrer Beziehung auf den Problembestand der Epoche, der sie entstammen und auf die sie antworten, darzustellen. Zweifellos bietet gerade die „Diätetik der Seele“ einen Schlüssel zu einem signifikanten Epochenproblem des österreichischen Vormärz: dem Weltschmerz in seinen politischen, metaphysischen, literarischen wie trivialisierten  Erscheinungsformen und seiner pathologischen Schwester: der Hypochondrie. Spricht die explosive Verbreitung der „Diätetik“, als Schrift gegen die Epochenpathologie konzipiert, für sich, postuliert der Arzt Dr. Feuchtersleben in den literaturkritischen Schriften, beginnend mit den „Beiträgen zur Literatur, Kunst- und Lebens-Theorie“, in dem Typus der pathologischen Kritik  jenen Urteilsmodus, der ihm allein zur Beurteilung der zeitgenössischen modernen Literatur angemessen erscheint.

Bandgliederung KFA II:
Zur Diätetik der Seele (1. Aufl. 1838; 5. Aufl. 1848)
Beiträge zur Literatur, Kunst- und Lebens-Theorie (1837)
Lebensblätter (1841).
Bd. II/1: Text (500 S.); Bd. II/2: Apparat.
Published vols: Bd. I/1.2: Gedichte; Bd. III: Pädagogische und politische Schriften und Reden; Bd. VI/1.2: Sämtliche Briefe – Autobiographische Schriften – Tagebuchblätter.