Die Wiener Hofburg 1521–1705

Äußeres Portal des Schweizertores, erbaut 1552–1553, und Rekonstruktion des bauzeitlichen Erscheinungsbildes (Foto: © Bundesdenkmalamt Wien; Grafik: © Renate Holzschuh-Hofer, Wien 2011)

Das Projekt untersucht die Entwicklung der Residenz vom Herrschaftsantritt Kaiser Ferdinands I. bis einschließlich Kaiser Leopold I., also den Zeitraum von 1521 bis 1705. Auf einer umfangreichen Quellensammlung aufbauend kann die detaillierte Bau- und Funktionsgeschichte der einzelnen Gebäude, aber auch des gesamten Burgkomplexes erarbeitet werden.

Neben umfangreichen Schrift- und Bildquellen bilden vor allem restauratorische Befunde, die an den Gebäuden selbst vorgenommen werden (Putz- und Mauerbefunde), und Altersbestimmungen der Dachstühle die materielle Grundlage für die Baugeschichte.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Beurteilung der Wiener Hofburg im internationalen Zusammenhang, wobei ein Hauptaugenmerk auf die habsburgische Residenzkultur im Vergleich der österreichischen mit der spanischen Linie gelegt wird. Darüber hinaus ist die Analyse der Wiener Residenzanlage als vielfältig fassbares Medium fürstlicher Repräsentation ein Kernanliegen. Von der Annahme ausgehend, dass Residenzarchitektur immer auch Gehäuse höfischer Kultur und Träger visualisierter Politik ist, wird versucht, die politischen Inhalte in Architektur und Ausstattung der kaiserlichen, königlichen und erzherzoglichen Hofburg herauszuarbeiten.

Rossballett im Inneren Burghof anlässlich der ersten Hochzeit Kaiser Leopolds I., Il Gran Balletto à Cauallo Fattosi il di 24. di Genaro 1667. nel Gran Cortille del Pallazzo Imperiale di Vienna (Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Inv.-Nr. KAR 0500026)

Solcherart wird eine Topographie der fürstlichen Repräsentation entwickelt, die ihren Niederschlag an vielen Orten der Hofburg gefunden hat. Symbole und verweisende Bilder können an Fassaden, in der bildnerischen Ausstattung, in der Gartenkultur und im hochentwickelten Theater- und Opernbetrieb am Hof festgemacht werden.

Gesucht wird in diesem Sinn nach möglichen bau- und ausstattungsspezifischen Repräsentationsstrategien, die vorrangig von dynastischen Ansprüchen getragen wurden. Unumgänglich dafür ist es, die historischen Grundlagen und Erkenntnisse zur Politik- und Herrschaftsgeschichte bei der kunsthistorischen Analyse nicht aus den Augen zu verlieren und unter dem Aspekt von Kunst als mediales Vermittlungs- und Propagandainstrument von Politik Zusammenhänge zu suchen.


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