Habsburgische Repräsentation in bildender Kunst, Architektur und Musik

Salomon Kleiner, Widmungsblatt des dritten Bandes von „Das florirende vermehrte Wien oder Wahrhaffte und genaue Abbildung […]“, Wien 1738 (© ÖAW, Sammlung Woldan)

Arbeitsgruppenleitung
Doz. Dr. Werner Telesko

In diesem Projektbündel beider Abteilungen des IKM werden kunst‐ und musikhistorische Themen unter Einbeziehung anderer Fachgebiete bearbeitet. Im Zentrum steht dabei die Frage, in welcher Weise habsburgische Repräsentationsstrategien in Musik und Kunst in den habsburgischen Erblanden sowie in den böhmischen Ländern und Ungarn zum Ausdruck kommen.

Auf der Basis einer Fülle bislang wenig untersuchter Bild-, Text- und musikalischer Quellen soll die Eigengesetzlichkeit der von unterschiedlichen sozialen Gruppen verwendeten Medien und ihr verschränkter Gebrauch bei unterschiedlichen Anlässen der Repräsentation (Feste, höfisches Zeremoniell, Einzüge, …) beleuchtet werden.

In der Auseinandersetzung mit den komplexen Netzwerken der Entscheidungsträger und Programmgestalter (Concettisten) geht es methodisch auch um die Analyse der Beziehung zwischen Sendern und Empfängern. Unter letzteren sind vor allem die unterschiedlichen Stände (Adel, Klerus, Kommunen etc.) zu verstehen, die als vornehmliche Adressaten der Dynastie fungierten.

„Habsburgische Repräsentation“ definierte Räume unterschiedlichster Art in neuer Weise: Musik, Bildende Kunst, Architektur sowie panegyrische Literatur wurden seit der Frühneuzeit zur plurimedialen Definition und Ausgestaltung des zeremoniellen Raumes verwendet. Die dabei in Anwendung genommenen Strategien sollen unter der leitenden Fragestellung der Existenz unterschiedlicher zeremonieller Räume (Stadt- und Sakralraum, höfische Räume) für unterschiedliche Öffentlichkeiten untersucht werden. An diese Frage schließen sich weitere Themenkomplexe an, in denen unter anderem danach gefragt wird, ob sich ein habsburgischer „Tugendkodex“ als verbindliches Fundament für alle beteiligten Hofkünste entwickelte.

Auch das sich verschiebende Schwergewicht von der Dynastie hin zum Staat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist ein wesentlicher Teil der Forschungen: An dieser Stelle geht es um die Beantwortung der lange diskutierten Frage, in welcher Hinsicht eine primär dynastische Repräsentation von einer Staatsrepräsentation abgelöst bzw. von einer nationalen Repräsentation zur Seite gedrängt wurde.

Der abteilungsübergreifende Schwerpunkt zu „Habsburgischer Repräsentation“ soll in dieser Hinsicht nicht nur zur Aufarbeitung neuer Text- und Bildquellen beitragen, sondern auch die Mechanismen der Selbstdarstellung der für die Geschichte Österreichs und Europas so wichtigen Dynastie der Habsburger in neuer Weise beleuchten.