Der Engel mit der Posaune:
Eine historisch-kritische Edition der Filmpartitur

Insofern die Verfilmung von Ernst Lothars Roman Der Engel mit der Posaune (A 1948; R: Karl Hartl) jene symptomatische Geschichtsdeutung vornahm, die eine „Opferrolle“ Österreichs postulierte, stellt die Produktion eine der wirkmächtigsten audiovisuellen Imaginationen der frühen Nachkriegszeit dar. Während der Film deshalb bereits filmwissenschaftlich analysiert wurde, blieb eine diesbezügliche Berücksichtigung seiner Musik bislang aus. Angesichts der Rolle, die sie als sinnstiftende Bedeutungsebene in der Produktion spielt, stellt die Auseinandersetzung mit ihr allerdings ein signifikantes Forschungsdesiderat dar.

So lässt sich aufzeigen, wie anhand einer Untersuchung wie jener des Engels mit der Posaune lässt sich jedoch etwa aufzuzeigen, wie mit affektiven Mitteln eine Neudefinition „Österreichs“ und „Wiens“ vermittelt wurde. So spiegelt die von Willy Schmidt-Gentner (1894–1964) komponierte Filmmusik mit ihren Beethoven- und Schubert-Allusionen exemplarisch die Leitästhetik der Ära, die von „klassischer“ Vergangenheit Legitimation ableitete. Andererseits werden in einem close reading der Partitur auch ästhetische bzw. film(musikalisch)-narratologische Kontinuitäten zur NS-Zeit transparent gemacht - schließlich war Schmidt-Gentner der meist-beschäftigte Komponist der Wien-Film zwischen 1938 und 1945.

Die Erforschung der Filmmusik von Der Engel mit der Posaune geschieht in Form einer zweisprachigen historisch-kritischen Ausgabe der gesamten, neu gesetzten Filmpartitur. Diese wird ebenso einen umfangreichen wissenschaftlichen Einleitungstext, eine Quellenbeschreibung und -bewertung, eine Erklärung der Editionsmethodik und einen kritischen Apparat umfassen wie einen analytischen und kontextualisierenden, in die Produktions- und Zeitgeschichte einführenden Teil. Grundlage dieser geplanten Ausgabe bilden die Orchesterstimmen, die sich von der Einspielung der Filmmusik erhalten haben und die sich heute im Besitz des Filmarchiv Austria befinden.

Mit dem Projekt soll ein Beitrag zur Erforschung der Filmmusik in Österreich geleistet, vor allem aber ein neuralgisches Kapitel der audiovisuellen Imaginationsgeschichte Wiens und Österreichs aus musikalischer Perspektive untersucht werden.