Digitale Werkausgabe des Wiener Hoforganisten und Komponisten Wenzel Raimund Birck

Ziel des musikphilologischen Digital Humanities-Projekts ist die Dokumentation und Edition des musikalischen Oeuvre des Wiener Hoforganisten Wenzel Birck (1718 - 1763). Im Mittelpunkt steht die digitale Edition von 81 Werken des Komponisten an der Schwelle vom Barock zur Klassik und bedeutenden Wegbereiter der Wiener Klassik.

Diese nativ-digitale Edition von Musiknotation und Metadaten geht neue Wege. Als Endprodukt soll es keine gedruckten Partituren in einer Reihe von Gesamtausgabe-bänden geben. Als primäres Editionsmedium dient das Internet, die Daten sollen unter einer Creative Commons Attribution open access, also für jeden frei und kostenlos zur Verfügung stehen. Neben der online Bildschirmpräsentation soll es möglich sein, Aufführungsmaterial für die Musikpraxis nach den Wünschen der User zu generieren und downloaden zu können. Zusätzlich sollen von möglichst vielen Originalquellen hochauflösende Digitalisate online zur Verfügung gestellt werden, um der Scientific Community den Vergleich zwischen MEI-Edition und Vorlage zu ermöglichen. Zusammenfassend kann MEI als Medium beschrieben werden, das in der Lage ist, viele Nachteile einer gedruckten Notenedition zu kompensieren.

Wenzel Raimund Birck war Komponist und Organist. Er hatte theoretischen Unterricht beim Wiener Hofkomponisten Matteo Palotta (1680 - 1758) und praktischen Unterricht im Orgelspiel beim bedeutenden österreichischen Barockkomponisten und Hofkapell-meister Johann Joseph Fux (~1660 - 1741). Ab 1739 war Birck als Nachfolger von Georg Reutter d. Ä. (1656 - 1738) als kaiserlicher Hoforganist mit Kompositionsverpflichtung tätig und er unterrichtete die Söhne Maria Theresias umfassend in Musik und Komposition. Birck war für die musikalische Erziehung und Ausbildung der späteren Kaiser Joseph II. (1741 - 1790, reg. 1765/80 - 1790) und Leopold II. (1747 - 1792, reg. 1790 - 1792) sowie des früh verstorbenen Erzherzogs Karl Joseph (1745 - 1761) verantwortlich. Besonders die Kammermusikwerke Bircks demonstrieren das große kompositorische Talent des außerhalb Österreichs eher unbekannten Künstlers. Sein Oeuvre kann überwiegend der sog. „Epoche zwischen den Epochen“, also der Übergangszeit zwischen Barock und Klassik, zugeordnet werden. Im Bereich der Instrumentalmusik ist Birck ein wichtiger Wegbereiter der Wiener Klassik.