Digitales Werkverzeichnis Anton Bruckner

Das Projekt Digitales Werkverzeichnis Anton Bruckner (dWAB) hat eine grundlegende Neu­bearbeitung des gedruckten Werkverzeichnis Anton Bruckner (WAB) zum Ziel. Hierzu ergibt sich eine Synergie mit den bereits bestehenden Projekten www.bruckner-online.at und Anton Bruckner-Lexikon online (ABLO) der Abteilung Musik­wissenschaft. www.bruckner-online.at  wird am Ende des Projekts die weltweit umfassendste Webpräsenz für einen Komponisten darstellen.

Das erste umfassende Verzeichnis der Werke Anton Bruckners wurde von Renate Grasberger zusammengestellt. Das WAB ordnet alphabetisch, nummeriert die Werke nach Gattungen (geistliche und weltliche Vokalmusik, Orchestermusik, Kammermusik, Orgel- und Klavierwerke etc.) und enthält Abbildungen von Titelblättern der Erstausgaben. Angeschlossen sind eine Lebenschronik mit Kompositions- und Aufführungsdaten, eine Übersicht der bis 1977 edierten Bände der Gesamtausgaben, ein Verzeichnis der Textanfänge und ein Gesamtregister. Zu jedem einzelnen Werk sind ein Incipit des Anfangsthemas, Besetzung, Entstehungs- und Uraufführungsdaten (fallweise Umarbeitungen, Fassungen etc.), Angaben zum Erstdruck, Widmungen, Textanfang, Textdichter, Hinweise auf Erwähnungen bei Göllerich-Auer und auf die Gesamtausgaben verzeichnet. Mit Entwürfen, zweifelhaften Kompositionen und Nachträgen umfasst es nach dem damaligen Wissensstand 149 Werke. Vorarbeiten für eine Neuauflage des WAB wurden seit den 1990er Jahren von Erich W. Partsch, Elisabeth Maier und Andrea Harrandt geleistet. Das grundsätzlich zu überarbeitende Werkverzeichnis sollte neben erweiterten Incipits vor allem auch detaillierte Beschreibungen der handschriftlichen Quellen beinhalten. Die Arbeiten wurden jedoch nicht abgeschlossen. Die neuen Erkenntnisse fanden zum Teil Eingang in die Werk-Artikel des Lexikons „Anton Bruckner. Ein Handbuch“, 1996 von Uwe Harten herausgegeben.

Ein teilweise überarbeitetes Werkverzeichnis enthält das „Bruckner Handbuch“, das von Dominique Ehrenbaum zusammengestellt wurde. Unter den 149 Nummern des ersten Werkverzeichnisses finden sich nun zehn zweifelhaft und falsch zugeschriebene Werke, oder solche, die verschollen sind. Zusätzlich werden 29 neue Werke aufgelistet (WAB deest), die in ein neues Verzeichnis eingearbeitet werden müssen. Einige dieser Neuentdeckungen sind Teil des „Kitzler Studienbuchs“. Ein weiteres, neues Werk Bruckners, das Volkslied „Der Mondabend“ wurde 2015 von Klaus Petermayr bekannt gemacht. Im Rahmen der beiden Forschungsprojekte RISM-Oberösterreich und www.bruckner-online.at konnte von Robert Klugseder ein umfangreiches und bedeutendes Korpus an zeitgenössischen Abschriften von Partituren und Stimmen von Werken Bruckners im Diözesanarchiv Linz erschlossen werden.

Wichtige Vorarbeiten für das neue Werkverzeichnis wurden zuletzt bei der Erstellung des Anton Bruckner-Lexikon online (ABLO) geleistet. Für viele, bisher im Werkkanon Bruckners nicht berücksichtige Werke mussten hier zusätzliche Artikel erstellt und größtenteils von Grund auf neu recherchiert werden. Viele, jedoch nicht alle der neuen, meist kleineren Kompositionen oder Bearbeitungen sind im „Kitzler Studienbuch“, im „Santini-Studienbuch“ und den Präludienbüchern für Orgel von Louis Dité enthalten. Ihr Status reicht von „echten“ Werken über Incerta bis hin zu (verhältnismäßig) sicheren Falschzuschreibungen der Vergangenheit

Digitale Formen der Katalogisierung, Archivierung und Edition von Musiknotation werden die herkömmlichen, gedruckten Publikationsformen ablösen. Das auf XML basierende Kodierungsverfahren der Music Encoding Initiative (MEI) kann mittlerweile als Standard in diesem Bereich angesehen werden. MEI ist zudem hervorragend zur Speicherung von Werk- und Quellenmetadaten geeignet.

Das auf relationalen Datenbanken beruhende Bruckner-Archivsystem wird auf eine MEI-Datenhaltung umgestellt. Ziel des Projekts ist ein digitales, multimediales Werkverzeichnis Anton Bruckners in einem für die Langzeitarchivierung tauglichen und plattformunabhängigen Datenaustauschformat. Als Datenrepositorium wird eine Weiterentwicklung der MerMEId-Applikation der Königlichen Bibliothek Kopenhagen zum Einsatz kommen.

Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des thematischen Katalogs der Werke Carl Nielsens (CNW) hat das Dänische Zentrum für Musikedition unter der Leitung von Axel Teich Geertinger ein System für das Edieren von Musikmetadaten entwickelt. Die Applikation, die auf dem MEI-Schema basiert, trägt den Namen Metadata Editor and Repository for MEI Data. MerMEId dient als Eingabe- und Verwaltungstool für thematische Kataloge. Die Informationen zu den Werken und den Quellen werden dabei in einer XML-eXist-Datenbank gespeichert. Durch die XML-Datenhaltung ist eine Publikation der Informationen sowohl in elektronischer (online) wie in gedruckter Form möglich.