Digitale Musikedition

Digitale Musikkodierung mit MEI (Music Encoding Initiative)

Digitale Formen der Archivierung und Edition von Musiknotation werden in den nächsten Jahren die herkömmlichen, gedruckten Publikationsformen mehr und mehr ablösen. Das auf XML basierende Kodierungsverfahren der Music Encoding Initiative (MEI) kann hier mittlerweile als Standard angesehen werden. Digitale Musikeditionen bieten u.a. die Möglichkeit der Darstellung von Korrekturen, Varianten oder Entwicklungsstadien von Kompositionen. Das XML-Format garantiert eine plattformunabhängige Langzeitarchivierung der Daten. Dies ermöglicht die zeitunabhängige Weiterverarbeitung in verschiedenen Medien, mit verschiedenen Anwendungsszenarien und unterschiedlichen Editoren bzw. Institutionen. Neben der Konservierung und der Edition von Notation wird es auch möglich sein, kleinere und größere Notationskorpora computergestützt nach bestimmten Kriterien analysieren zu können. Das XML-Format ist zudem das zeitgemäße Medium zur Herausgabe von Musikerbriefen, Quellenkatalogen oder Werkverzeichnissen (TEI und MEI).

Auf der Projektwebsite www.digital-musicology.at werden exemplarisch verschiedene Musikeditionen digital zur Verfügung gestellt. Die in MEI codierten Musikbeispiele werden in Echtzeit (on-the-fly) im Browser gerendert und angezeigt. Aktuell stehen als Editionen zur Verfügung: (1) Eine bisher unbekannte Messe des Wiener Musiktheoretikers und Komponisten Simon Sechter (1788–1867). Diese nativ-digitale Edition wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung Digitale Musik- und Textedition am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien von Studierenden angefertigt. (2) Verschiedene Werke des „Kaiserkomponisten“ Leopold I. (1640–1705). (3) Eine aufwändige Präsentation des sog. „Passauer Liedertisches“ (1590) zur Demonstration von Werken, die in Mensuralnotation überliefert sind. (4) Digitale Werkausgabe des Wiener Hofkomponisten Wenzel Birck.

Neben diesen MEI-Ausgaben werden einige Werke Anton Bruckners (1824–1896) als Edirom-Editionen aufbereitet. Die Edirom-Technik ermöglicht die gleichzeitige online-Darstellung von Bildern von Autographen, Abschriften und Drucken einer Komposition. Anhand dieser Beispiele sollen zum einen die Möglichkeiten und Vorzüge der digitalen Musikedition aufgezeigt werden. Zum anderen soll die Webplattform die Möglichkeit bieten, Werkausgaben von eher unbekannten Komponisten online zu publizieren. Herkömmliche Druckeditionen sind für diesen Personenkreis in der Regel nicht finanzierbar.

Auf www.digital-musicology.at werden zudem verschiedene Websites und Webarchive vorgestellt, die von der Abteilung Musikwissenschaft der ÖAW zur Verfügung gestellt werden (www.musiklexikon.ac.at, www.demos.ac.at, www.bruckner-online.at, www.schubert-online.at, www.cantusnetwork.at). Diese Präsentationplattform soll jedoch auch Projekten anderer österreichischer Institutionen offen stehen.