Conradin Kreutzer: Briefe – Gesamtausgabe (Kritische Edition)

Für die Zeit des Biedermeier und Vormärz ist der Komponist und Kapellmeister Conradin Kreutzer (* Meßkirch 1780, † Riga 1849) neben den eigentlichen Größen der Musikgeschichte eine der interessantesten Persönlichkeiten. Einerseits war seine Popularität dank der Oper Das Nachtlager in Granada (Wien 1834) und der Musik zu Ferdinand Raimunds "Original-Zaubermärchen" Der Verschwender nicht nur bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sehr beachtlich. Andererseits kam er fast im gesamten deutschen Sprachraum sowie in Frankreich und den Niederlanden mit zahlreichen einflußreichen Musikern und Schriftstellern in fruchtbaren Gedankenaustausch.

Als Komponist von rund 50 sehr verschiedenartigen Werken für das (Musik-)Theater, lateinischen Messen, Chören, Liedern sowie Kammer- und Klaviermusik war er gleichsam in jedem kulturbeflissenen Haushalt des 19. Jahrhunderts mit einigen Notenausgaben sowie auch im kollektiven Melodiengedächtnis seiner Zeit präsent. Zwar blieb er sich als Komponist einerseits in seiner typisch biedermeierlich-konservativen ästhetischen Grundhaltung stets treu, versäumte jedoch keineswegs, sich nach und nach auch populären zeitgenössischen Strömungen anzupassen. So ist sein Opernschaffen sehr vielseitig, da er zwischen 1802 und 1849 in allen erdenklichen Gattungen experimentierte: vom Liederspiel und der musikalischen Posse bis zum Singspiel und Melodram, von heiteren Werken im Stil der Opéra-comique und Buffa bis hin zur ,großen romantischen‘, ,großen tragischen‘ oder auch ‚vaterländischen‘ Oper.

Wegen seiner Männerchöre und Lieder war Kreutzer bis um 1900 sogar in Amerika populär, und als Operndirigent des gesamten zeitgenössischen Repertoires war er sowohl in Wien als auch etwa beim Rheinischen Musikfest in Köln sehr geachtet. Über Kreutzers Ansichten und Einsichten, über seine Erwägungen zu eigenen und fremden Werken, zum Klavierbau in Wien, der Schweiz und Schwaben sowie seine Karriere- und Reisepläne informiert sein umfangreicher Briefwechsel sehr anschaulich. In Kreutzers Beschreibungen und Erörterungen seines Umfelds zeigt sich exemplarisch ein typischer Repräsentant seiner Zeit, der dank seiner musikalischen Begabung aus sehr bescheidenen Verhältnissen in bemerkenswerte und sehr geachtete Stellungen hineinwuchs.

Die überlieferten Korrespondenzen Kreutzers, der in seinen dreißig produktivsten Jahren mit kürzeren Unterbrechungen in Vorderösterreich und Österreich tätig war und langjährig als Kapellmeister der Wiener Hofoper sowie kurzzeitig als Komponist und Dirigent am Theater in der Josephstadt wirkte, beginnen 1801 in seinem 21. Lebensjahr und reichen bis zu seinem Tod mit 69 Jahren 1849, umfassen also die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erhalten sind ca. 500 Briefe, die im Rahmen des Projekts ediert werden.