31.10.2017

Prozesse der Repräsentation

Die Wirkung höfischer Repräsentation in Musik, bildender Kunst und Architektur stand im Mittelpunkt einer internationalen Tagung der Arbeitsgruppe „Habsburgische Repräsentation“ des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen (IKM) der ÖAW im Juni 2015. Die Ergebnisse des interdisziplinären Symposiums liegen nun peer-reviewed in Buchform vor und versammeln Beiträge aus Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Geschichte und Theatergeschichte.

Der zentrale Fokus der Publikation zielt auf die Frage, in welcher Weise in Musik und Kunst der habsburgischen Erblande sowie der böhmischen Länder und Ungarn spezifische Repräsentationsstrategien der Dynastie zum Ausdruck kommen. Unter diesem Aspekt werden Themen und Medien der Repräsentation, Fragen zu Herrscher, Staat und Nation sowie Netzwerke und zeremonielle Räume in ihrem Verhältnis zu den „Öffentlichkeiten“ beispielhaften Untersuchungen unterzogen. „Repräsentation“ ist dabei keine Kategorie, die als unveränderliche Größe gilt, sondern vielfältigen Prozessen gesellschaftlicher und medialer Aushandlung unterlag. Deren Analyse kann wiederum einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Struktur der „composite monarchy“ des Habsburgerreiches liefern.

In vier Sektionen wird ein möglichst breites Bild der Anwendungsformen von Repräsentation in Kunst und Musik vorgestellt und das Ineinandergreifen musikalischer und visueller Strategien thematisiert. Dabei wird vor allem nach dem Verhältnis von Adressant und Adressat gefragt. Die Untersuchungen sind vornehmlich auf die Aktivitäten der Mitglieder des Erzhauses Habsburg konzentriert, beziehen aber auch die Stände und soziale Gruppen wie Adel, Klerus und Kommunen als bevorzugte Adressaten habsburgischer Aktivitäten ein. Die behandelten Fallbeispiele erstrecken sich über drei Jahrhunderte und berücksichtigen diverse Regionen der Monarchie.

PUBLIKATION

Werner Telesko (Hg.), Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur. Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture. 1618–1918, Wien-Köln-Weimar 2017 (Böhlau Verlag)