Geschichte der Kommission für Kunstgeschichte der ÖAW (1979–2012)

Mit der Gründung der Kommission für Kunstgeschichte wurde an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1979 eine Institution etabliert, die sich seither der Dokumentation, wissenschaftlichen Erforschung und Bewahrung der österreichischen Kunst widmet. Am Beginn der wissenschaftlichen Kommissionstätigkeit standen Langzeitprojekte, die einzelne Kunstgattungen mit dem Ziel einer Werksedition erforschten. Das wichtigste Beispiel stellt das bereits seit 1952 existierende, internationale Netzwerk „Corpus Vitrearum Medii Aevi“ (Corpus der mittelalterlichen Glasmalerei) dar, das seit 1973 mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften kooperiert. Vorrangiges Ziel ist es, die kulturelle Bedeutung der durch Umwelteinflüsse stark gefährdeten Kunstwerke durch die Erforschung in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, um ihren Erhalt zu garantieren. Die wissenschaftliche Bestandsaufnahme der mittelalterlichen Glasmalereien erfolgt in Zusammenhang mit den vom Bundesdenkmalamt durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen. Die Publikationen des CVMA erscheinen unter dem Patronat der „Union académique internationale“ und des „Comité International d’Histoire de l’Art“. Seit 2015 werden im Rahmen dieses Netzwerks auch die österreichischen Glasgemälde nach 1800 erschlossen.

Unter einer ähnlichen Prämisse entstand auch das vom Bundesdenkmalamt und der Kommission herausgegebene „Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien in Österreich“, von dem zwei Bände zu den Beständen in den Bundesländern Wien und Niederösterreich bzw. der Steiermark in den Jahren 1983 und 2002 erschienen sind. Interdisziplinäre Forschungen in Zusammenarbeit mit Geologen und Restauratoren erbrachten zudem fruchtbare Ergebnisse zur Baugeschichte der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan, die in eine Publikation zum Riesentor von St. Stephan einflossen.

Mit dem Ziel, die internationale Bedeutung österreichischer Kunst herauszuarbeiten und zu kontextualisieren, erschien zwischen 1998 und 2003 die „Geschichte der bildenden Kunst in Österreich“ in sechs Bänden. Mit diesem großen Vorhaben wurde die Erforschung der österreichischen Kunst in ihrer historischen Gesamtheit erstmals auf eine solide wissenschaftliche Grundlage gestellt.

Zwei durch den FWF finanzierte Forschungsprojekte zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Architektur förderten die Entstehung zweier umfangreicher Bände zur Jesuitenarchitektur in Italien.

Im Jahr 1991 wurde die Publikationsreihe „Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte“ (seit 2013 „Veröffentlichungen zur Kunstgeschichte“) gegründet. Ergänzt wird die Herausgebertätigkeit seit 2010 durch das online erscheinende RIHA Journal, die kunsthistorische Zeitschrift der Mitgliedsinstitute von RIHA (International Association of Research Institutes in the History of Art).

Mit dem seit dem Jahr 2004 vorbereiteten und im März 2005 begonnenen Großprojekt zur Erforschung der „Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg“ etablierte sich die Kommission für Kunstgeschichte als wichtige Forschungsstätte der europäischen Residenzforschung. Die Forschungsergebnisse zur Hofburg werden in der aufwändigen fünfbändigen Publikationsreihe „Veröffentlichungen zur Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg“ (2012–2016) vorgelegt.

Zeichen einer nachhaltigen Verankerung der Kommission für Kunstgeschichte in der europäischen Residenzforschung war unter anderem die Partnerschaft im internationalen Forschungsnetzwerk „Palatium. Court Residences as places of Exchange in Late Medieval and Early Modern Europe (1400–1700)“ in den Jahren 2008–2015. Die Kommission für Kunstgeschichte war 2006–2012 auch Teil des Zentrums Kulturforschungen der ÖAW.

Mit 1. Jänner 2013 wurden die Kommission für Kunstgeschichte und die Kommission für Musikforschung zum Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (IKM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zusammengeführt. Mit der Gründung des IKM formierte sich die neue abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe zu Problemen der „habsburgischen Repräsentation“. In interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kunstgeschichte und Musikwissenschaft widmen sich mehrere Forschungsprojekte den Fragen nach Machtansprüchen des Erzhauses und den damit verbundenen Ausdrucksformen in bildender Kunst, Architektur und Musik.

Kommissionsobleute

  • 1979–1986: Univ.-Prof. Dr. Otto Pächt
  • 1986–1999: Univ.-Prof. Dr. Hermann Fillitz
  • 1999–2012: Univ.-Prof. Dr. Artur Rosenauer

Kommissionsmitglieder (1979–2012)

  • k.M. Ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Bösel
  • k.M. Univ.-Prof. Dr. Günter Brucher
  • HR Doz. Dr. Ernst Bacher
  • Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Buschhausen
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Otto Demus
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Margret Dietrich
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Hermann Fillitz
  • k.M. Doz. Dr. Eva Frodl-Kraft
  • k.M. Univ.-Prof. Dr. Gernot Gruber
  • Univ.-Prof. Dr. Günther Heinz
  • Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Koreny
  • HR Univ.-Prof. Dr. Walter Koschatzky
  • HR Dr. Andreas Lehne
  • k.M. Univ.-Prof. Dr. Hellmut Lorenz
  • Univ.-Prof. Dr. Karl Möseneder
  • Dr. Jörg Oberhaidacher
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Otto Pächt
  • Ao. Univ.-Prof. Dr. Martina Pippal
  • Univ.-Prof. Dr. Götz Pochat
  • HR DI Dr. Wilhelm Georg Rizzi
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Artur Rosenauer
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Helmut Rumpler
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Schmidt
  • Dr. Elisabeth Vavra
  • k.M. Univ.-Prof. Dr. Renate Wagner-Rieger
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Othmar Wessely
  • HR Dr. Norbert Wibrial
  • w.M. Univ.-Prof. Dr. Herwig Wolfram